Eine Führung im KGB Museum ist durchaus lohnenswert. Meine Begleitung und ich verließen gedankenvoll diese Räumlichkeiten. Das ehemalige KGB Gefängnis in Potsdam eröffnete erst im Frühjahr 2009 für die Öffentlichkeit ihre Räume. Das Haus selbst wurde bereits 1916 erbaut, im typisch wilhelminischen Stil wie viele Häuser in dieser Ecke. Betrachtet man sich die wilhelminischen Villen der Gegend, so erkennt man doch einige Details wieder. Hier, wo sich des ehemalige Gefängnis befindet, hatte die evangelische Frauenhilfe Potsdam bis zum 2. Weltkrieg ihren Verwaltungssitz.

Das Dachgeschoss wurde nach dem 2. Weltkrieg nicht mehr aufgebaut, an der Fassade erkennt man noch Reste der neo-romanischen Dekorationen.
Schon während der Potsdamer Konferenz im benachbarten Schloss Cecilienhof wurde dieses ehemalige Villengebiet abgeriegelt und mutierte zu einem sowjetischen Dorf heran. Das gesamte Viertel war fast ein halbes Jahrhundert komplett vom Rest der Stadt Potsdam abgeriegelt. Im Sommer 1945 zog hier die sowjetische Spionageabwehr ein. In der Zeit zwischen August 1945 und Frühling 1947 warteten hier im Keller zum Tode Verurteilte auf ihre Vollstreckung. Seit Frühjahr 47 diente dieses Haus ausschließlich als Untersuchungsgefängnis der Spionageabwehr für die gesamte SBZ/DDR mit Ausnahme Ost-Berlins.
Dieses Gefängnis wurde unter dem Einfluss des berüchtigten Iwan Serow (er handelte im Auftrag des Diktators Stalins) betrieben. Noch zu Sowjetzeiten wurde Serow „wegen Verletzung der Rechtsstaatlichkeit während seiner Tätigkeit in Deutschland“ aus der KPdSU ausgeschlossen und man entließ ihn. Die Abwehr der Sowjets verfolgte weniger Kriegsverbrecher oder Nazis, sondern man inhaftierte vor allem die Bürger der SBZ, die nicht einmal gegen Gesetze verstoßen hatten. Beweise gibt es genug: Vor Allem durch die sowjetischen Rehabilitationen und die vielen Berichte der Zeitzeugen, die hier ausgestellt sind und erwähnt werden.
Bis 1953 waren hauptsächlich Bürger der SBZ/ DDR hier Vorort inhaftiert. Erst 1983 endet die Nutzung als Gefängnis und seit Mitte der Neunziger Jahre ist das Haus wieder im Besitz der evangelischen Kirche.
Hier in der Potsdamer Leistikowstraße wurden deutsche aber auch russische Stalin-Gegner, „Abweichler“ und anderweitig Verdächtige inhaftiert und gequält. Viele landeten im sibirischen GuLAG.
Das Gefängnis kann nur mit Führung betreten werden, und das ist auch gut so, denn die Geschichte lebt von den Berichten der Zeitzeugen, die hier während des Rundgangs immer wieder übermittelt wurden. Man erfährt von einem 15 jährigen Jungen, der, weil er einmal russisch schwänzte, 25 Jahre inhaftiert wurde, ebenso ein armer Kerl, der eine Waffe besaß, mit der er in den Nachkriegsjahren lediglich etwas gewildert hatte, um nicht zu verhungern. Die Häftlinge konnten sich nicht waschen und für die Notdurft gab es, zumindest in den Luxuszellen einen Eimer. Eine Zelle misst höchstens einen Quadratmeter, eine Frau verbrachte dort 5 Tage stehend im Neonlicht, inmitten ihrer Exkremente. Das Haus wurde nicht saniert, weder innen noch außen, lediglich ein schlichter moderner Vorbau wurde letztens erbaut. Sehr gut gelöst, finde ich.
Am Wochenende zwischen 11 und 17 Uhr jeweils zur vollen Stunde mit Führung zu besichtigen.
Mehr Fotos gibt es auf der Bildergalerie der Homepage zu sehen: Fotos
Und hier: (Danke, Herr K.)



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