Archiv für Februar 2009

28
Feb
09

Herzlichen Glückwunsch Charles Darwin ???

Am 14 Februar 2009 hätte Charles Darwin seinen zweihundertsten Geburtstag gefeiert. Die Welt feiert und auch hier in Berlin wird Darwin mit gleich zwei Sonderausstellungen, im Naturkundemuseum und im botanischen Garten  bedacht. Seine nach wie vor gültige Evolutionstheorie ist immer noch umstritten. Meine Frage dazu nur: Gebührt ihm der ganze Ruhm alleine?br-online-publikation-269652-20090113092422

Charles Darwin, Revolutionär der Naturwissenschaften und Schöpfer der Evolutionsgeschichte wird an allen Ecken und Enden der Welt gefeiert. 1859 veröffentlichte er “ die Entstehung der Arten“,  für dessen Erkenntnisse er mit der “ Beagle“ fünf Jahre durch die Welt schipperte. Mit diesen Erkenntnissen erschütterte er nicht nur die christliche Schöpfungsgeschichte.

Aber… wer kennt eigentlich Alfred Russel Wallace?

Russel Wallace stammte aus einer armen Familie und interessierte sich anfänglich nur nebenbei für die Biologie. Er begann mit dem Sammeln von Insekten und unternahm später zahlreiche Expeditionen, die ihn zu seinen Erkenntnissen verhalfen.

wallace18692Am 18 Juni 1858 erhielt Darwin einen Brief von Russel Wallace, abgeschickt vom Molukken Archipel. Seit geraumer Zeit zögerte Darwin mit der Veröffentlichung seiner Evolutionstheorie. Russel Wallace erkannte diese Theorie über den Mechanismus der Evolution unabhängig von Darwin und fernab. Darwin war fassungslos, als er den Bericht von Russel Wallace mit dem Inhalt Tiere und Pflanzen hätten sich in einem Ausleseprozess entwickelt, las, nämlich eine hundertprozentige Übereinstimmung seiner eigenen Erkenntnisse.  Darwin jedoch hatte einflussreiche Freunde, die ihm dazu verhalfen, dass sein schnell verfasster Text zusammen mit den Erkenntnissen Russel Wallaces in London vorgelesen wurden. Dennoch war es Russel Wallace, der als erster sein Manuskript vorgelegt hat.

Somit ist Charles Darwin nicht alleine der Begründer der Evolutionstheorie, aber der einzige, der damit  Weltruhm erlangt hat. Aber einer ist immer der Verlierer.


Wenn sich die Umwelt ändert, werden dann nicht jene Varianten einer Art in ihrer Fortpflanzung favorisiert, die am besten an die neuen Bedingungen angepasst sind? „
Aus dem Brief an Darwin





28
Feb
09

Albert Einstein in Caputh

“ Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“

Am 14.03 wäre Albert Einstein 130 Jahre alt geworden. Der exzentrische Superstar der Naturwissenschaften war privat ein scheuer Mensch mit ganz normalen Vorlieben wie süße Schleckereien.

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Einer der engsten Freunde Einsteins war der Inhaber von Breyers Ice Cream Company, er lernte ihn auf der Fähre zwischen New Jersey und Manhattan kennen.  Irgendwie kam die Unterhaltung auf das Thema Eiscreme und Einsteins große Neigung für dieses harmlose Laster. Danach erhielt der Professor für den Rest seines Lebens jeden Monat eine Lieferung von fünfundzwanzig Litern verschiedener Sorten Breyers Eiscreme.

“ Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde zu sein, muss man vor allem Schaf sein.“

Die „menschliche Dummheit“ war es auch, die Einstein und seine Frau 1932 nach einem Gastvortrag in Pasadena, USA dazu veranlassten, der deutschen Heimat den Rücken zu kehren, denn die Wunschvorstellung seiner Heimat beinhaltete politische Freiheit, Toleranz und Gleichheit.

Welches Eis Einstein in der Zeit vor der Machtergreifung in Deutschland geschleckt hat ist mir leider nicht bekannt. Breyers Ice Cream jedoch erinnert mich sehnsuchtsvoll an meine Zeit in den Staaten und, um wieder die Kurve zu Einstein zu kriegen, denn die zweite Leidenschaft des Physikers im Sommer war ( außer Eis) sein kleines Sommerhaus in Caputh in der Nähe von Berlin. Hier verbrachte der Wissenschaftler von 1929 bis 1932 seine Wochenenden und Sommer.

Auch später, nach seiner Emigration in die USA war Caputh der einzige Ort, den er mit dem Begriff „Heimat “ verband. Der Architekt Konrad Wachsmann erbaute das Haus auf einem Hanggrundstück oberhallb Capuths, das Einstein aus Dank und Anerkennung vom Berliner Bürgermeister geschenkt bekommen hatte. Das Innere des Hauses besticht durch Schlichtheit und Funktionalität, ganz im Sinne der „Neuen Sachlichkeit“ der Zwanziger Jahre.

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Heute ist das Haus Haupteigentum  der Hebräischen Universität Jerusalem, diese besitzt auch den Nachlass Albert Einsteins.
Zu besichtigen von April bis Oktober, an Wochenenden von 10-18 Uhr oder nach tel. Vereinbahrung.

„Gravitation cannot be held responsible for people falling in love“

28
Feb
09

Sommer im Winter-zu Besuch bei Emil Nolde, Berlin

Ausstellung: Mein Garten voller Blumen

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„Blumen blühen
den Menschen zur Freude.
Ich male sie im Sommer,
tragend die Freude in den Winter.“

Emil Nolde

Ein grauer kalter Februartag, grau die Strassen, grau die Häuser, grau der Himmel und grau das Gemüt. Schon seit längerer Zeit wollte ich der Nolde-Dependance in der Jägerstrasse einen Besuch abstatten, zwar bin ich mehr ein Fan von Noldes nordischen Landschaften mit tosender See und bewegten Wolken, aber die Sehnsucht nach Farben von Sommerblumen in dieser Tristesse hat mich überzeugt.

nolde6_25570iViele Bilder stammen aus seinem Garten in Seebüll, den Nolde so liebte und wo er und seine Frau Ada auch begraben liegen. Aber auch frühe Werke aus Noldes Zeit auf Alsen oder in der Südsee sind hier vertreten. Die Austellung in historischem Gebaude ist exzellent durchdacht und organisiert, nicht überhängt und ausgezeichnet beleuchtet. Die wenigen Besucher bereiteten uns kein Kopfzerbrechen, vielleicht lag es am Eintritt von 10 €, das ist die Ausstellung aber allemal wert.

Dass Noldes Lieblingsblumen Klatschmohn und violette Iris waren erkennt der Betrachter nahezu auf jedem Bild. Und mit der Farbenpracht gesättigt überstehe ich auch noch ein paar weitere graue Wochen in der Großstadt.

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ab 6. Februar, täglich ab 10. Uhr, Jägerstraße 55, 10117 Berlin


28
Feb
09

Archaeopteryx lithographica in Berlin

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Das zweite  Exemplar des Archaeopteryx lithographica, das „Berliner Exemplar“, wurde 1877 entdeckt, sechzehn Jahre nach dem Fund des ersten Archaeopteryx auf der Langenaltheimer Haardt bei Solnhofen. Es ist gleichzeitig das schönste Exemplar. Seit  125 Jahren ist dieses Wesen Gegenstand eines Glaubenskrieges zwischen und unter Evolutionisten und Kreationisten, da es allgemein als eines der „Missing Links“ gilt, die den Übergang von einer Tierart zu einer anderen zeigen, und damit die Darwinsche Evolutionstheorie stützen. Der Archaeopteryx (zu deutsch soviel wie: „alte Schwingen“) hatte sowohl Merkmale eines Reptils / Dinosauriers als auch eines Vogels. Trotz manch gegenteiliger Behauptung wurde bis zum heutigen Tage kein anderes Fossil entdeckt, das in dieser Hinsicht ähnlich bedeutungsvoll wäre wie der Archaeopteryx. Glücklicherweise überstand der kostbare Archaeopteryx unversehrt die Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges und ist noch heute der größte Schatz des Museums für Naturkunde an der Humboldt-Universität zu Berlin.

Seit dem ersten spektakulären Fund einer einzelnen Feder wurden seit 1860 zehn Skelette dieser Gattung gefunden. alle in Deutschland und alle im Altmühltal aus den Schichten des oberen Jura, diese Schichten sind etwa 150 Millionen Jahre alt. Der letzte Fund von 2005 brachte wesentliche neue Erkenntnisse:

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Neuer Fossilienfund

„Archäopterix ähnelte Dinosauriern „

„Washington (AP). Der Archäopterix, das früheste vogelähnliche Wesen, hatte Füße wie Dinosaurier. Dies geht aus einem neu entdeckten Fossil hervor, über das das Frankfurter Forschungsinstitut Senkenberg im US-Wissenschaftsmagazin „Science“ berichtet. Demnach waren die Vorfahren der heutigen Vögel vermutlich Fleischfresser. Anders als bislang vermutet war der Vorderzeh des Archäopterix – so legt es das Fossil nahe – nicht gekrümmt. Deswegen kann es ihm laut den Frankfurter Forschern um Gerald Mayr schwer möglich gewesen sein, auf Ästen zu hocken. Dagegen war der zweite Zeh offenbar ausgestellt – wie bei vielen Dinosauriern, etwa dem T. Rex. Allerdings war Archäopterix kaum größer als eine Elster. Das Tier, von dem das Fossil stammt, lebte Mayr zufolge vor etwa 150 Millionen Jahren im heutigen Bayern.“

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27
Feb
09

Einsteinturm in Potsdam

Die Architektur des frühen zwanzigsten Jahrhunderts ist durch einen avantgardistischen Stilreichtum geprägt.

Erbaut wurde diese Meisterleistung expressiver Baukunst von 1920 bis 1924 von Architekt Erich Mendelsohn.
Erwin Finlay Freundlich war es, der hier ein Observatorium wünschte, in dem er die Gültigkeit der Einsteinschen Relativitätstheorie beweisen wollte.
Finlay Freundlich war sowohl mit Albert Einstein als auch mit Mendelsohn gut befreundet.
Das Teleskop wurde von Finlay Freundlich selbst entwickelt, doch zur Unterbringung dieses Gerätes war ein durchgeplantes Bauobjekt erforderlich.

Finlay Freundlich beauftragte Mendelsohn bereits 1918 mit dem Projekt und Mendelsohn fing bereits an der Front an, Skizzen für sein Erstlingswerk zu zeichnen.

Allerdings wurde während der Bauzeit des Turms genau das, was Freundlich hier beweisen wollte, durch wissenschaftliche Messreihen in England erwiesen. So wurde der gesamte Plan kurzerhand aufgegeben, der Turm wurde Albert Einstein, der Astrophysik und der Bedeutung der Wissenschaft gewidmet und diente seitdem als Sonnenforschungsanlage.
Der Turm erweckt den Anschein, als sei er aus Beton. Tatsache aber ist, dass er komplett aus Backstein errichtet worden ist, wobei auch Mendelsohn lange schwieg. Beton war damals rar und kostbar und die Täuschung beabsichtigt.

Einstein selbst empfand den Baustil des Turms als organisch, was noch auf die Rückwirkung des Jugendstils blicken lässt.

Mendelsohn schuf hier ein schmuckloses aber bewegtes Gebäude mit einer komplett drehbaren Kuppel.
Im Inneren des Turms befinden sich ein unterirdisches Labor, ein Arbeits- und ein Schlafzimmer.
Doch der gute Mendelsohn hatte sich in seinem Eifer etwas selbst überschätzt: Schon bald kroch die Feuchtigkeit in den Turm und ab 1927 musste der Putz erneuert werden, Fensterbänke und Kuppelkranz wurden verblecht. Interessant auch die Kritik, die Mendelsohn von seinen Architektur-Kollegen widerfuhr: Paul Westheim sah in dem Turm eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Völkerschlacht-Denkmal und die Wesensverwandtschaft des Bismarck am Rhein.

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An Kritik gewöhnte Mendelsohn sich schnell, doch er war ehrgeizig, arrogant und führte bereits einige Jahre später das grösste deutsche Architekturbüro.
Erich Mendelsohn hinterließ bis zu seiner Emigration 1933 zahlreiche bedeutende Bauwerke, hier in Berlin seien unter Anderem die Schaubühne am Lehniner Platz, sowie mehrere Wohnhäuser ( Onkel-Tom-Strasse, Am Rupenhorn, Karolingerplatz usw) erwähnt.

Der Einsteinturm befindet sich auf dem Telegrafenberg in Potsdam auf dem Gelände des Astrophysikalischen Instituts und kann von außen ganztags besucht werden. Besichtigungen von April bis September nach Absprache.

Urania-Verein ” Wilhelm Foerster” e. V.
0331-291741

27
Feb
09

Trabinest bei Neuruppin

Winter in Brandenburg.

In jedem Dorf stößt man nun auf verlassene Storchennester, denn die haben nun Besseres zu tun und verbringen eine schöne Zeit in der Hitze Afrikas, dort gibt es genügend Nahrung und ich denke mir, ich wäre wohl jetzt auch gerne ein Storch.
In meiner Kindheit, die ich in Hessen verbracht habe, kannte ich Störche leider nur aus dem Zoo, ich erinnere mich, als ich noch klein war, an verlassene Storchennester, die auch im Sommer verlassen blieben und irgendwann in den Siebziger Jahren verschwanden dann auch ihre Nester spurlos…

Jetzt kommen sie wieder, nach und nach, selbst in meiner alten Heimat, besonders, seitdem in der Landwirtschaft weniger Chemikalien eingesetzt werden.
Der Storch, eine Art Mythos aus meiner Kindheit, ein mir völlig fremder Vogel, der die Kinder bringen sollte und der Schutzpatron vieler Dörfer war, kehrt zurück. Ich glaube, ich war siebzehn Jahre alt, als ich in Schleswig-Holstein meinen ersten Storch gesehen hatte und das war ein Erlebnis, dass ich nie vergessen werde.
Heute haben sie uns die drastischen Eingriffe in ihren Lebensraum wohl verziehen und sie sind gerne wieder in Deutschland, da im Sommer die Tage länger sind als in Afrika.
Störche fliegen unterschiedlich nach Afrika, das hängt von ihrem Wohnort ab. Störche, die westlich der Zugscheide leben, ziehen über die Camargue, Spanien und Portugal nach Afrika, die anderen, östlich der Zugscheide nehmen den Weg über den Bosporus und Israel.

In Brandenburg findet man zu meiner Freude zahlreiche Storchennester, und das schönste und außergewöhnlichste habe ich heute bei Neuruppin entdeckt. Auf einem hohen Mast thront ein Trabant, auf dessen Dach ein Storchennest gebaut ist. Dieses äußerst seltsame Gebilde kann man schon von Weitem erkennen, Autofahrer halten am Wegesrand, um von dieser kunstvollen Konstruktion ein Foto zu machen.

Dieses Storchennest fand ich ausgesprochen amüsant und dennoch: eine fast ausgestorbene Spezies stützt die andere!
Regt doch irgendwie zum Nachdenken an, oder?
Ich werde mit Sicherheit noch einmal im Sommer hier herkommen und hoffen, auf eine kleine Storchenfamilie zu treffen. Würde mich freuen.

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27
Feb
09

Josephine Baker in Berlin

Berlin im Winter 1926.
Weimarer Republik.
Zeit zwischen zwei Weltkriegen.
Jene wilde und stürmische Zeit, die “Goldenen Zwanziger Jahre.”
Berlin, die Stadt des Reichtums und der bitteren Armut, das Berlin der Varietes, des Theaters, der Kriminalität, der Casinos, der Opiumhöhlen, des Kokains, der Künstler, der Hungersnot, der Prostitution, der Homosexualität, der Spieler, der Bettler, der Lust und der Leidenschaft.
Frauen waren seit Ende des ersten Weltkrieges deutlich in der Überzahl, sie arbeiteten, tranken und rauchten plötzlich selbstbewusst in der Öffentlichkeit.
Das Korsett landete in der Ecke, die Rocksäume rutschten hoch bis zum Knie.
Freiheit für Körper und Geist, für Lunge und Leber.

Die Geburtenrate ging seit dem ersten Weltkrieg drastisch zurück und die Lust auf das Laster stieg ins Unermäßliche.
Eine faszinierende Ära, mit ihren Dichtern und Denkern, revolutionären Architekten, Expressionisten, Dadaisten, der Neuen Sachlichkeit und des Art Deco.
Im Januar 1926 stand die Weltstadt Berlin Kopf, denn erstmals in der Geschichte trat in Deutschland eine Farbige auf. Als Tochter eines jüdischen Schlagzeugers und einer Farbigen wäre dieser Auftritt von Josephine Baker nur wenige Jahre später undenkbar gewesen..
Josephine selbst sah sich nie als “Schwarze”, doch sie spürte schnell, dass es gerade ihre Hautfarbe war, die sie durch Regisseure und Publikum zum Liebling machte.

So verzichtete sie bald auf bleichende Mittelchen wie Zitronensaft und Puder und ließ sich als “schwarze Venus” feiern. Ihre mit Pomade geglättete, burschikose Frisur wurde von der Damenwelt kopiert und “Bakerfix” wurde zur führenden Marke in Sachen Haarpomade für Damen.

Nur ein Jahr zuvor eroberte die Baker bereits in Paris die Herzen der Menschen mit ihrer Revue Negre, geprägt von humorvollen Auftritten voller Erotik und Exotik.
Die Dame in ihrem Bananenoutfit, die auch ab und zu sämtliche Hüllen fallen ließ, wurde in Berlin schon sehnsüchtig erwartet.


Der erste legendäre Auftritt fand am 14.01 1926 im Nelson-Theater am Kurfürstendamm 217 statt, gegründet von Pianist und Komponist Rudolf Nelson im Jahre 1920.
Der Kurfürstendamm war mit seinen Läden, Cafes, Kinos und Theater das Zentrum des Amusements und der kulturellen Avantgarde der 20er Jahre.
Regisseur Max Reinhard war so fasziniert von der Baker, dass er sie auf der Stelle für das Theater engagieren wollte, er ließ sie nachts für seine Privatfeiern tanzen, auch Tucholsky war hingerissen von ihrem Talent.
Er erwähnt sie in dem Gedicht: Apage Josephine Apage.
Das Gedicht beginnt allerdings nicht sehr vorteilhaft:
“In Wien zuckte neulich die Baker mit ihrem Popo”

“Und wenn sie tanzt, dass nur der Rhythmus so knackt
Und wenn sie ein ganzes Theater bei Sinnen packt
Und wenn das Leben bunt ist hierzulande
Das ist eine Schande”

Das Nelson-Theater existiert längst nicht mehr, 1934 wurde es umgebaut und beherbergte das Restaurant “Sanssouci.”
Seit dem gab es im ersten Stock auch ein Kino, das Astor, es war durchgehend bis 2002 in Betrieb.
Der ursprüngliche Charakter der Räumlichkeiten wurde durch die Umbauten leider zerstört, aber glücklicherweise wurde das Haus im Zweiten Weltkrieg nur leicht beschädigt und ist somit eines der wenigen authentischen Gebäude aus dem Ende des 18. Jahrhunderts am Kurfürstendamm.

Heute ist das Geschäft eines amerikanischen Modelabels in den geschichtsträchtigen Räumlichkeiten untergebracht. Wer also den Laden von Herrn Hilfiger betritt, kann womöglich, mit etwas Phantasie, noch die Klänge und den Applaus vom 14.01.1926 vernehmen.
Und möglicherweise sieht man im Spiegel der Umkleidekabine einen Schatten im Bananenröckchen vorüberfliegen…


27
Feb
09

Mosse Verlagshaus, Berlin

In der Jerusalemer Strasse, Ecke Schützenstrasse liegt das Mosse Verlagshaus, eine der besten publizistischen Adressen Deutschlands und eines der Paradebeispiele der Architektur der neuen Sachlichkeit.006-mosse22
Das Gebäude selbst stammt ursprünglich aus der Jahrhundertwende, wurde aber bei dem Spartakusaufstand 1919 sehr schwer beschädigt. Architekt Erich Mendelsohn sorgte dann Anfang der 20er Jahre für eine revolutionäre Neugestaltung des Baus, indem er die Fassade, besonders an der Eingangsecke völlig aufbrach und mit einem gerundeten Baustil aus völlig anderen Materialien ( Keramik , Eisen und glattem Verputz) versah.Außerdem betonte er das Eckteil mit einem Baldachin und einem zusätzlichen Stockwerk-.
Nach schweren Kriegsschäden wurde das Haus in den 90ern nach alter Form restauriert. Leider gab es auch eine traurige Geschichte zu diesem Bau:

Als Mendelsohn und seine Bauleiter damals das Gebäude aufstocken ließen, passierte damals ein schrecklicher Unfall, die Maurer hatten unter dem Dach die Zementsäcke gelagert. Nach einer heftigen Regennacht füllten sich die Säcke tonnenschwer durch das Wasser.Am frühen Morgen brach der ganze Stapel Säcke durch alle Etagen bis in den Keller und riss 20 Menschen in den Tod.
Dennoch ein Haus mit Geschichte und einer bahnbrechenden Architektur von Erich Mendelsohn.

27
Feb
09

Kraniche


Kraniche sind Könige unter den Vögeln.
Kein anderer Vogel hat jemals die Phantasie der Menschen so beflügelt, wie der Kranich, und schon im alten Ägypten wurde er als Sonnenvogel verehrt.
Seine Flügelspanne misst 2.20 Meter und seine Größe stolze 1.20 Meter.
Und mit Dankbarkeit erkenne ich bei diesen Vögeln ,dass das Männchen nicht schöner ist als das Weibchen, nur allein an der Größe lässt sich der Unterschied der Geschlechter erkennen.
Sympathisch auch, dass Kraniche ihr gesamtes Leben mit nur einem einzigen Partner verbringen, und da Kraniche ziemlich alt werden können, hält so eine “Kranichehe” durchaus 20 Jahre lang. An dieser Treue sollten sich die Menschen mal ein Beispiel nehmen.

Auf Latein bekannt unter dem höflichen Namen : “Grus Grus”, daran muss ich immer denken, wenn ein Schwarm Kraniche in Keilform über mich hinweg fliegt, und ich grüsse freudig zurück, wenn ich ihre schmetternden Trompetenrufe höre. Sie brüten in Europa in Teilen Skandinaviens und im nördlichen Osteuropa. Aber auch in Teilen Norddeutschlands.
Doch gerade bei uns sind die Moore, das bevorzugte Brutgebiet der Vögel, durch Abbau von Torf stark bedroht. Wer möchte kann durch den Erwerb eines Stückes Moorfläche zum Erhalt der Brutstätten beitragen:
https://www.spendbox.de/kranich-schutz/aussuchen.php

Den Winter verbringen sie in Spanien, Südfrankreich und Nordwestafrika.

Zu ihren bekanntesten Rastplätzen auf den Weg in den Süden gehört die Gegend um Nauen in Brandenburg ( Rhin und Havelbruch) und ich hatte vor etwa drei Wochen das Glück, einen riesengroßen Schwarm in der Gegend um Nauen beobachten zu können.

Kraniche sind immer noch vor dem Aussterben bedroht, obwohl sie hier in Deutschland seit 1998 als “nicht gefährdet” eingestuft werden.
Glücklicherweise nimmt die Anzahl der Vögel seit etwa zwanzig Jahren wieder zu. Die Anzahl der Moore und Sumpfgebiete, die Kraniche zum Brüten bevorzugen, nimmt rapide ab. Auf ihrem Zugweg ernähren sich die Vögel auch sehr gerne von frischer Saat, so dass sie verständlicherweise auch von Bauern vertrieben werden, was ihnen auf dem langen Weg viel überflüssige Kraft kostet.
Viele Organisationen wie NABU, WWF und die Umweltförderung Lufthansa unterstützen den Kranichschutz in Deutschland.

27
Feb
09

Wildschweine

Sie kommen immer öfter und schon lange nicht mehr nur nachts!
Wildschweine leben mittlerweile in den Berliner Randgebieten mit dem Mensch zusammen, haben ihren natürlichen Lebensraum verlassen.
Heute Nacht waren sie wieder da. Unser Vorgarten, der dick vereist und zusätzlich noch mit Schnee bedeckt war, wurde mal wieder komplett umgegraben. Ich habe sie nachts noch nie gehört. Kein Grunzen kein Quieken kein Schmatzen, dabei kommen sie in großen Horden.
” Meine Schweine” wohnen im Grunewald. Sie müssen zwei große Strassen mit viel Verkehr ( eine davon vierspurig) überqueren, um bis zu unserem Haus zu gelangen.
Ein Marsch von ca. zwei Kilometern. Nicht ungefährlich für die Schweine, aber noch gefährlicher für den Menschen, besonders wenn er im Auto sitzt.
Auch ihren Lebensrythmus haben sie geändert, nur nachts aktiv sind sie schon lange nicht mehr. Oft schon stand ich morgens auf dem Weg zur Arbeit im Stau, da mal wieder ein Rudel seelenruhig auf der Strasse stand .
Sie fressen das, was der Mensch ihnen zum Fraß vorwirft:
Sie finden Schätze in Komposthäufen, mit Döner und Pommes gefüllte Abfalleimer, Gartenzwiebeln, Saatgut und vieles mehr.
Einige Menschen haben eine komplett falsche Auffassung von Tierliebe und streuen Mais in Parks und auf die Bürgersteige, sind der Auffassung, die “armen Viecher” haben doch im Wald kein Futter mehr.
Ich wollte an dieser Stelle ein Video einfügen, musste aber mit Entsetzen feststellen, dass fast alle Videos bei Youtube unwissende Berliner Bürger beim Füttern zeigen.
Die Tiere sind nicht ungefährlich, mittlerweile haben sie sich zwar an die Menschen gewöhnt aber besonders um Bachen mit Frischlingen sollte man einen großen Bogen machen.
Besonders auf Spielplätzen in Parks ist Vorsicht geboten, kleine Kinder finden Frischlinge ja sehr niedlich und möchten sie streicheln und füttern, eine Bache, die sich immer in der Nähe ihrer Kleinen befindet, könnte für manch Kind lebensgefährlich werden.
Hier in Berlin sind Wildschweine schon lange zur Plage geworden.
Seit einiger Zeit arbeiten ehrenamtliche Stadtjäger aus den Forstämtern Köpenick, Pankow, Tegel und Grunewald, von den insgesamt rund 2000 Schweinen vergangenen Jahres wurde zirka ein Viertel in der Stadt erlegt.
Während die CDU sich gegen den Abschuss der Tiere stellt und den Anwohnern empfiehlt, massivere Gartenzäune zu bauen, unterstützt die FDP den Abschuss in der Stadt. Eine endgültige Lösung ist nicht in Sicht.
Jeden Tag liest man neue Artikel, wie “Rentnerin prallt gegen Wildsau” , “Jäger schwer verletzt” und ähnliches. Ein Jäger wurde tatsächlich von einem Schwein getötet.
Die Meinungen zu diesem Problem gehen weit auseinander, sicher ist nur, DASS sich etwas ändern muss.
Suchbild: Wildschweine im Schilf am Wannsee.




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