Archiv für April 2009

30
Apr
09

Lego-Bilder

Kennt ihr den Fotografen Mike Stimpson?

Der britische Lego-Fan und Amateur-Fotograf stellt berühmte Bilder der Fotografie-Geschichte mit Lego-Figuren nach. So verbindet er zwei seiner größten Leidenschaften:

lunch at top of skyscraper

V.J. Day Times Square

Twickenham Streaker

John & Yoko

Bed-In

Berlin Guard

Mehr von Stimpson unter seinem eigenen Fotostream:

balakov

22
Apr
09

Wind, Meer und Nadja

Nein, nicht die Nadja, über die sich sämtliche Blogger hier die Finger wund schreiben. Aber dazu später. Ich stöbere gerne auf den Seiten bekannter und weniger bekannter Auktionshäuser. Finde ich Gemälde meiner Lieblingskünstler, so speichere ich mir zumindest die Bilder in einen Ordner, wenn ich schon nicht mitbieten kann. Die meisten Kunstwerke werden  von Privatsammlern ersteigert und die Chance, jenes Bild noch einmal in der Öffentlichkeit betrachten zu können,( Museum oder Ausstellung) ist natürlich äußerst gering. Neulich recherchierte ich gezielt nach Emil Nolde und fand wunderschöne Aquarelle, die nun irgendwo beim neuen Besitzer über dem Sofa hängen. Noldes Werke erzielen schwindelerregende Preise, sie fangen etwa beim Kleinwagen an und erreichen auch schon mal den Preis einer Luxusvilla. Für mich unerschwinglich und teilweise auch nicht nachzuvollziehen. Oft sind diese Bilder auch völlig unbekannt, da sie sich schon immer im Privatbesitz befanden. So bin ich dankbar dass, wenn der Besitzer wechselt, wenigstens einmal kurz ein Foto auf der Seite des Versteigerers zu bewundern ist.

Seebüll unter blau-violettem Himmel
Seebüll unter blau-violettem Himmel

Dieses Aquarell von 1945 wurde im Dezember 2008 für ca. 208.000$ bei Ketterer ersteigert. Es ist eines der wenigen Bilder, das sein Privathaus in Seebüll-Nordfriesland mit Atelier zeigt.

Ein anderes Spätwerk Noldes von 1947, ein Ölgemälde, kam kürzlich für 1.400.000 € bei Lempertz unter den Hammer. Es zeigt die typischen friesischen Reetdachhäuser und den bewegten Nordseehimmel.

Marschhof
Marschhof

Noch heute träume ich von einer großen Entdeckung. Immer wieder stöbere ich auf Flohmärkten und wühle des öfteren auch mal im Sperrmüll herum. Aber die Zeiten der großen Schatzsucher sind offensichtlich vorbei. Ein sensationeller Fund wurde allerdings vor 2 Jahren gemacht, leider nicht von mir.

Großes Aufsehen erregte die Versteigerung des lange verschollenen Portraits „Nadja“ bei Ketterer 2007. Es ist nicht bekannt, wer diese Nadja ist oder war. Eventuell eine Geliebte des Künstlers? Das Bild war über 30 Jahre lang verschollen und wurde 2006 von einem anonymen Kunstsammler beim Entrümpeln des Dachbodens seiner verstorbenen Tochter gefunden.

Nur ein einziges Mal war das Bild für die Öffentlichkeit zugänglich: 1928 bei einer Ausstellung in der Berliner National-Galerie.
Gemalt wurde es 1919, dann kam es in den Besitz  des Berliner Kunstverlegers und  Ernst Rathenau, einem Vetter des 1922  ermordeten deutschen Außenministers Walther Rathenau. Als Rathenau wegen seiner jüdischen Abstammung 1938 in die USA emigrierte, wurde das Bild im Tresor eines privaten Bankhauses in Berlin deponiert, wo es den Bombenkrieg und die Wirren der unmittelbaren Nachkriegszeit überstand.

Nadja
Nadja

Nach 1945 lagerte das wertvolle Gemälde aus bislang unbekannten Gründen bei einer Speditionsfirma in Freiburg im Breisgau, bevor es zwischen 1977 und 1979 spurlos verschwand. Eine 85 jährige Dame kann das Rätsel möglicherweise lösen. Sie entdeckte das Portrait in einer Tageszeitung und meinte, ihre damalige Vermieterin Nadja Selten auf dem Bild zu erkennen. Bei Ketterer heißt es: “ die Dame beschrieb Nadja als eine mondäne, sehr gut aussehende Frau mit großen augen, vom Auftreten her eine „richtige Berlinerin“

Sie konnte sich jedoch nicht mehr erinnern, ob Selten nun der Mädchen- oder Ehename von Nadja war. Zumindest war Nadjas Mann – wohl ein vermögender Jude – Anfang der 1950er Jahre, als die Zeitzeugin in der Berliner Xantener Straße in Nadjas Parterrewohnung ein möbliertes Zimmer bewohnt hatte, bereits ins Ausland gegangen.
Die Dame hatte fast zwei Jahre bei Nadja gelebt und die Erinnerung an die gemeinsamen Stunden sind immer noch äußerst lebhaft und intensiv. Auch an das “Traumzimmer”, das
einmal Nadjas Schlafzimmer war und dessen Möbel die Dame ihrer Vermieterin schließlich sogar abgekauft hatte, denkt sie noch heute gern zurück. Ihrer Aussage nach verstarb die Porträtierte wohl in den 1960er Jahren in Berlin.“

Nadja erzielte 2.537.000 Euro. Bezahlt von einem Tabakwarengroßhändler aus Mönchengladbach.

Und zum Schluss noch ein paar meiner Lieblingsbilder, die nun private Sammler erfreuen und die hoffentlich irgendwann doch mal als Leihgabe für Ausstellungen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Nolde Stürmische See
Nolde Stürmische See

Nolde Abendhimmel
Nolde Abendhimmel

Nolde Granada
Nolde Granada

Nolde Goldfische
Nolde Goldfische

Nolde Pferdchen und Blumen
Nolde Pferdchen und Blumen

Farben waren mir ein Glück und mir war es, als ob sie meine Hände liebten.

(Emil Nolde)

19
Apr
09

Giacometti´s dog

GIACOMETTI’S DOG

He moves so gracefully on his bronze legs
that they form the letter M beneath him.
There is nothing more beautiful than the effort
in his outstretched neck, the simplicity of the head;
but he will never curl again in the comfortable basket,
he will never be duped by the fireplace and the fire.

Though he has sniffed out cocaine at the Newark Airport,
we can never trust his good nose again.
He’ll kill a chicken in his master’s yard,
he’ll corner a lamb in the back pasture.
He’s resigning his post with the Seeing Eye.

Giacometti’s Dog will not ask for water
though he’s been tied to a rope in Naples
for three days under the hot sun.
Giacometti’s Dog will not see a vet
though someone kicks him and his liver fills with blood.
Though he’s fed meat laced with strychnine.
Though his mouth fills with porcupine quills

Giacometti’s Dog is coming back
as a jackal, snapping at the wheels
of your bicycle, following behind in his
you-can’t-touch-me-now suit.
Giacometti’s Dog has already forgotten
when he lost the use of his back legs
and cried at the top of the stairs
and you took pity on him.

He’s taking a modern day attitude.
He knows it’s a shoot-or-get-shot situation.
He’s not your doggie-in-the-window.
He’s not racing into a burning house or taking your shirt
between his teeth and swimming to the beach.
He’s looking out for Number One,
he’s doing the dog paddle and making it
to shore in this dog-eat-dog world.

Robin Becker, 1990

Einen singulären Platz in Giacomettis Werk  nimmt ein Tier ein: «Der Hund», in dem sich Giacometti selbst wieder erkannte. Dieser Hund, bzw.Künstler, der schleicht, sucht, sich vortastet, schnuppert, jedoch nie ans Ziel kommt, hat ihn noch Jahre lang verfolgt, wie das «Absurde» von Albert Camus, das «Nichts» von Jean-Paul Sartre, die «Geworfenheit» von Martin Heidegger.

Der Hund von Giacometti, Bronze von 1951, Alberto Giacometti-Stiftung, Zürich

18
Apr
09

Jeans to go

Jeansautomat-Closed
Jeansautomat-Closed

Samstag Abend-Panik: die alte Jeans kneift und der Knopf geht nicht mehr zu? Das dürfte in Zukunft kein Problem mehr sein. Die Hamburger Jeansfirma Closed hat den ersten Jeansautomaten hergestellt, er fand großen Gefallen bei der Berliner Modewoche und befindet sich derzeit in Düsseldorf. Man kann zwischen Größe und Schnitt wählen und er Einheitspreis von 149 Euro wird mit Kreditkarte gezahlt. Zunächst erst nur in Kaufhäusern, soll der Automat später an internationalen Flughäfen und Bahnhöfen stehen. Aber warum ausgerechnet in Kaufhäusern? frage ich mich, wenn ich sie da doch anprobieren  und bar bezahlen könnte.

In Japan sind solche ausgefallenen Automaten schon längst alltäglich. Kurzer Schauer? Schnell einen Regenschirm gezogen. Energy-Drink und Kondom gibt es sinnigerweise für den gestressten japanischen Workoholic gleich im Doppelpack und man kann sich dank Automaten nicht nur sein Handy aufladen, sondern sich gleich noch mit dem neusten trendy Mobilmodell belohnen. Ich habe gelesen, dass es in Japan sogar gebrauchte Mädchenschlüpfer aus dem Automaten geben soll. Das werde ich recherchieren…

Letztens sorgte bereits ein Pizzaautomat in ganz Neapel für Entsetzen. Eine 15 Zentimeter-Durchmesser.Pizza kostet 3,50Euro,nach einer Wartezeit von 90 Minuten kommt sie frisch gebacken und geviertelt zum Verbraucher. Und das in der Stadt, die die Pizza erfunden haben will…

Bayrischer Grablichtautomat
Bayrischer Grablichtautomat
17
Apr
09

Il y avait un jardin

Heute beim Aufräumen fiel mir eine längst verloren geglaubte Single wieder in die Hand. Da ich leider über keinen Plattenspieler verfüge, suchte ich im Internet, mit Erfolg. Das Stück von Georges Moustaki gehörte mal zu meinen Lieblingsliedern. Ich habe mir die Mühe gemacht, das Lied zu übersetzen, allerdings ohne Garantie, da mein Französisch auch schon mal besser war.

Wünsche ein schönes Wochenende.


IL Y AVAIT UN JARDIN
paroles et musique: Georges Moustaki

(récité)
C’est une chanson pour les enfants 
Qui naissent et qui vivent entre l’acier
Et le bitume, entre le béton et l’asphalte,
Et qui ne sauront peut-être jamais
Que la terre était un jardin.

Il y avait un jardin qu’on appelait la terre
Il brillait au soleil comme un fruit défendu
Non ce n’était pas le paradis ni l’enfer
Ni rien de déjà vu ou déjà entendu.

Il y avait un jardin, une maison, des arbres,
Avec un lit de mousse pour y faire l’amour;
Et un petit ruisseau roulant sans une vague
Venait le rafraîchir et poursuivait son cours.

Il y avait un jardin grand comme une vallée,
On pouvait s’y nourrir à toutes les saisons
Sur la terre brûlante ou sur l’herbe gelée,
Et découvrir des fleurs qui n’avaient pas de nom.

Il y avait un jardin qu’on appelait la terre,
Il était assez grand pour des milliers d’enfants;
Il était habité jadis par nos grands-pères
Qui le tenaient eux-mêmes de leurs grands-parents.

Où est-il, ce jardin où nous aurions pu naître,
Où nous aurions pu vivre insouciants et nus?
Où est cette maison, toutes portes ouvertes,
Que je cherche encore et que je ne trouve plus?

Es ist ein Lied für  Kinder,
die zwischen  Stahl und dem Bitumen leben, zwischen Beton und Asphalt
und die vielleicht nie wissen werden, dass die Erde einmal ein
Garten war.

Es gab einmal einen Garten, den man  Erde nannte, er glänzte in der
Sonne, wie eine verteidigte  Frucht, es war weder das Paradies, noch die
Hölle, noch nichts schon angesichts, oder schon gehört.

Es gab einmal einen Garten, ein Haus, Bäume mit einem Bett aus Moos, um   
dort Liebe zu machen ; Und ein kleiner rollender Bach ohne eine
Welle kam um es zu erfrischen und nahm an seinem Lauf teil.

Es gab einmal einen großen Garten wie ein Tal, man konnte sich dort in allen
Jahreszeiten auf der glänzenden Fläche oder auf dem stillgelegten Gras ernähren
Blumen entdecken die keinen Namen hatten.

Es gab einmal einen Garten, den man die Erde nannte, es war genug Platz für tausend Kinder; Er wurde früher von unseren Großvätern
bewohnt, die ihn selbst von ihren Großeltern übernahmen.

Wo ist er dieser Garten, wo wir geboren werden könnten wo wir sorglos
und nackt leben könnten? Wo ist dieses Haus mit allen offenen Türen, die
ich noch suche, und die ich nicht mehr finde?

13
Apr
09

Fritz Lang und der Bock von Babelsberg

Ganz in meiner Nähe liegt eine einzigartige Reihenhaussiedlung aus den 20er Jahren,  entworfen von den genialen Architektenbrüdern Wassily und Hans Luckhardt, zusammen mit Alfons Anker. Erbaut als Versuchssiedlung im Stil der Neuen Sachlichkeit fand auch der berühmte Regisseur Fritz Lang hier vorübergehend sein Zuhause. Der bekannte Fotograf Martin Munkacsi fotografierte Lang an

Langs Bar, Schorlemer Allee
Langs Bar, Schorlemer Allee

seiner Kupferbar in der Schorlemer Allee. Diese soll sich angeblich heute noch in diesem Haus befinden.

„Herr Lang, wer hier Jude ist oder nicht, das entscheide immer noch ich“ So  Reichspropagandaminister und Klumpfuß Joseph Goebbels in einem der letzten  Gespräche mit Regisseur und Halbjuden Fritz Lang. In dem gleichen Gespräch bot Goebbels Lang die Leitung des Deutschen Filmes an, doch Lang, der sich einen Tag Bedenkzeit erbat, emigrierte angeblich noch in der gleichen Nacht nach Paris. Lang war verheiratet mit der Schriftstellerin und Schauspielerin Thea von Harbou, doch ihre Mitgliedschaft in der NSDAP belastete die Ehe und führte zur Scheidung.

“ Das ist der Mann, der uns den nationalsozialistischen Film bringt“: Reichspropagandaminister und Bock Goebbels wollte Fritz Lang für seine politischen Ziele gewinnen.  Langs Filme erzählen meist phantastische Geschichten, die in einer expressiv düsteren Atmosphäre stattfinden. Unter dem NS-Regime wurden einige Filme Langs verboten,  wie etwa „Das Testament des Dr. Mabuse“. Lang zum Film: „Ich verwendete diesen Film zum ersten Mal

Das Tesament des Dr. Mabuse 1933
Das Tesament des Dr. Mabuse 1933

als eine politische Waffe.“
In ihm lässt Lang einen wahnsinnigen Verbrecher ankündigen, dass man die Macht des Volkes brechen müsse. Lang noch einmal: „Und dann, wenn alles in Trümmern ist, auf diesen Trümmern – Hitler oder respektive die Nazis sagten – das 100jährige Reich aufbauen. Und ich sagte: ‚Das 1.000 jährige Reich des Verbrechens aufbauen.’“
Die Nazis durchschauten die Kritik und verboten den Film. Gleichwohl wollten sie Lang im Lande halten. Goebbels bot ihm eine Führungs-Position in der deutschen Filmindustrie. Andere Filme wie zum Beispiel Die Nibelungen wurden von Hitler und Goebbels klar favorisiert.

ehemaliges Pförtnerhaus Goebbels auf Schwanenwerder
ehemaliges Pförtnerhaus Goebbels auf Schwanenwerder

Goebbels war Filmnarr und ernannte sich selbst zum Schirmherrn des Deutschen Films. Seine zahlreichen Liebschaften, besonders die mit der tschechischen Flmdiva Lida Baarova gaben ihm den Namen „Bock von Babelsberg“. Lida und ihr Geliebter und Filmpartner Gustav Fröhlich lebten auf der Berliner Insel Schwanenwerder in unmittelbarer Nachbarschaft Goebbels. Kennengelernt haben sich Goebbels und die Diva bei den olympischen Spielen 1936. Aus der heimlichen Beziehung entwickelte sich innerhalb von 2 Jahren eine ernste Beziehung und Goebbels bat seine Frau Magda (die übrigens auch mehrere Affären hatte) um die Scheidung. Magda, die mehr Angst um den Ruf der Nazis als um ihre Ehe hatte, wandte sich an den Führer, der das Ende der Liebschaft fordert. Einen interessanten Artikel habe ich hierzu beim WDR gefunden:

Vor 5 Jahren: Lida Baarova stirbt

„Die Geliebte des Teufels“

„Viele Leute sagen, er wäre ein Teufel. Er ist zu mir nie so gewesen. Ich kann es leider nicht sagen. Zu mir war er immer furchtbar nett“, erinnert sich die Schauspielerin Lida Baarova an ihren Geliebten: Hitlers Propaganda-Chef Joseph Goebbels. „Ich habe eigentlich seine Liebe geliebt. Er hat mich so sehr geliebt, dass ich der Liebe verfallen bin.“ Als Lida Baarova 1934 aus der damaligen „Tschechei“ nach Berlin kommt, ist sie 20 Jahre alt. In ihrer Heimat gilt sie als großes Talent: Die Beamtentochter aus Prag hat schon 18 Filme gedreht und an verschiedenen Bühnen gespielt. Ihr erster Ufa-Film „Barcarole“ macht sie im Deutschen Reich ebenfalls zum Star. Ihr Filmpartner Gustav Fröhlich wird auch privat ihr Liebhaber. Im Sommer 1936 kauft er eine Villa in der Nachbarschaft der Familie Goebbels in Berlin-Schwanenwerder.

Goebbels und Familie auf Schwanenwerder
Goebbels und Familie auf Schwanenwerder

Nach außen führen Joseph Goebbels und seine Frau Magda eine nationalsozialistische Musterehe mit mittlerweile vier Kindern. Doch der schmächtige, hinkende Propagandaminister ist bekannt für seine Affären mit jungen Schauspielerinnen. Magda duldet die Seitensprünge, solange er sie damit nicht öffentlich brüskiert – und revanchiert sich mit eigenen Liebschaften. „Der Bock von Babelsberg“ – wie Goebbels genannt wird – findet auch Gefallen an der schönen Nachbarin. Schon bald lädt er sie zum Tee in sein abgelegenes Blockhaus am Bogensee ein. Goebbels balzt nach allen Regeln der Kunst: Er spielt am Flügel romantische Weisen, rudert Lida über den See, füttert mit ihr Rehe im Wald und turtelt am Kamin. Die 22-Jährige wehrt sich nicht lange gegen seine Avancen. Sie trennt sich von Fröhlich, und Goebbels hat freie Bahn bei seiner „Liduschka“: „Er war sehr geistreich. Wir haben viel gelacht und wir haben uns gut verstanden. Ich muss sagen, er war ein sehr nobler Mensch.“

Der Bock
Der Bock

Aus der Affäre wird eine ernsthafte Liebe. Nach fast zwei Jahren beschließt Goebbels, seine Frau um die Scheidung zu bitten. Er will sein Amt aufgeben und als Konsul nach Japan gehen, erzählt Lida Baarova später. Ihr sagt er: „Und wenn ich Krawatten verkaufen müsste in Japan, ich möchte abdanken.“ Magda wendet sich an Hitler persönlich. Der Skandal wird zur Chefsache: Der „Führer“ tobt und fordert ein Ende der Liebschaft. Goebbels schluchzt am Telefon und zerfließt vor Selbstmitleid. Weil er Lida immer noch heimlich zu treffen versucht, wird er auf den Obersalzberg zitiert. Goebbels knickt ein und verspricht, auf die Geliebte zu verzichten. Lida Baarova erhält Berufsverbot, ihre Filme werden nicht mehr aufgeführt, vor ihrem Haus wacht die Gestapo. Als sie überlegt, nach Hollywood zu gehen, schickt Hitler seinen Adjutanten vorbei: „Der kam und hat gesagt: Frau Baarova, ich mache Sie aufmerksam, gehen Sie nicht über die Grenze von Deutschland. Es könnte Ihnen was passieren.“ Sie setzt sich nach Prag ab, wo sie nach Kriegsende als Kollaborateurin für 18 Monate ins Gefängnis kommt. In der Nachkriegszeit dreht sie einige Filme in Spanien und Italien, spielt Theater in Deutschland. Doch die Schatten der Vergangenheit wird sie nicht mehr los: Sie bleibt – vor allem in ihrer tschechischen

Heimat – die „Geliebte des Teufels“. Kurz bevor Lida Baarova am 27. Oktober 2000 im Alter von 86 Jahren in Salzburg

stirbt, diktiert sie noch ihre Memoiren. Darin präsentiert sie sich als argloses Opfer des Verführers Goebbels. Seine rassistischen Reden blendet sie aus. Ihre Ausrede: Sie habe damals „eigentlich nicht“gewusst, was Nationalsozialismus sei.

Des Bockes Liebesnest am Bogensee

Aber Goebbels Liebelei mit Lida war nicht die einzige, auch jüdische Schauspielerinnen, besonders die hübschen, bekamen von ihm immer wieder Sondergenehmigungen, ähnlich wie bei Fritz Lang, gemäß dem Motto: Wer Jude ist oder nicht, bestimme immer noch ich.  Anzumerken sei auch: Goebbels erste Verlobte, Else Janke, war die Tochter einer Jüdin. So genau hat es der Klumpfuß es mit dem Judenhass nicht genommen, wenn er sich dadurch persönliche Vorteile versprach. Egal ob sexuell oder beruflich. 1936 erwarb Goebbels ein Grundstück am Bogensee in Wandlitz, bebaute es und nutzte die Villa bis zum Umzug mit seiner Familie 1943 als privates Liebesnest besonders für Lida und sich.

Fritz Lang bereute seine Emigration nie, dennoch vermisste er Berlin. Sein Versuch, hier wieder eine Karriere zu starten, scheiterte allerdings. 1956 kehrte er zurück und arbeitete zusammen mit dem Produzenten Arthur Brauner.1960 kehrte er enttäuscht nach Amerika zurück. 1966 erhielt Lang das Bundesverdienstkreuz. Er starb 1976 in Los Angeles.

Meinen Lieblingsfilm von Fritz Lang gibt es ungekürzt auf youtube: M, eine Stadt sucht einen Mörder, spielt im Berlin der 30er Jahre. Einer der spannendsten Filme überhaupt, damals noch ohne special effects und Computeranimationen mit dem unvergleichlichen Peter Lorre als Mädchenmörder.

Lang kurz vor seinem Tod



10
Apr
09

Die Gabe

Quint Buchholz

Eines Tages

Flügel erfinden

Wegfliegen

Morgens enteilen

Oder einfach

an Flügellose

je

eine Feder verteilen

Wjatscheslaw  Kuprijanow


Ein frohes Osterfest wünsche ich herzlicht allen Lesern!

09
Apr
09

Badespaß mit Friedrich 2

Es ist allgemein bekannt, dass sich Friedrich der Große nicht besonders gerne gewaschen hat. Seife war ihm ein Greuel und um jede Badewanne machte er einen großen Bogen.

Gestatten: Alter Fritz!

Kürzlich bekam ich diese Badeente geschenkt, der Alte Fritz mit Dreispitz und Zöpfchen,  natürlich eine Potsdamer Erfindung. Voller Enthusiasmus bemerkte ich, dass Friedrich auch quietscht, wenn man ihm zärtlich in den Bauch drückt. Die Gelüste an der Körperreinigung allerdings

Let´s go to bath!

Let´s go to bath!

scheinen seit der Barockzeit nicht unbedingt zugenommen zu haben. Die zärtliche und schaumige Badeliason mit Fritz endete in einer Katastrophe , als dieser das erste Mal Kontakt mit Seife und Wasser aufnahm.  Aus alten Schriften und Büchern ist mir mittlerweile bekannt, dass Friedrich insbesondere Seife verabscheute, aber seine Reaktion in meiner Badewanne ( erwartete ich doch ein gemütliches  Plansche-Rendezvous mit einem Hohenzollern-König) war doch sehr ernüchternd. Fazit: Der Alte Fritz kann Wasser und Seife wohl immer noch nicht ertragen und schwimmen kann er auch nicht.

Der untergang der Hohenzollern

Der Untergang der Hohenzollern

08
Apr
09

Das echte Haus vom Checkpoint Charlie

Am 12. Juli 1994 verließen die letzten US- Soldaten Berlin, und dort in Zehlendorf, wo sich die Kaserne befand, ist heute das

Fassade des Original-Häuschens von 1961
Fassade des Original-Häuschens von 1961

Alliierten- Museum Berlin untergebracht. Das  Museum erinnert an die Zeit der Teilung Berlins sowie an die Präsenz der französischen, englischen und amerikanischen Truppen im Westteil der Stadt. Neben Dokumenten, und Uniformen  kann man hier einen Rosinenbomber, einen Teil der Mauer, einen Wachturm, sowie diverse Zeugnisse der Luftbrücke und des Kalten Krieges besichtigen. Auch die Original-Baracken vom ehemaligen Kontrollpunkt Checkpoint Charlie.

Umzug 1990. Vom Checkpoint…

Touristen kommen aus aller Welt zum Checkpoint Charlie nach Berlin und fotografieren die kleine weiße Baracke. Die Original-Baracken befinden sich allerdings im Alliierten Museum an der Clayallee.  Von dem allerersten Häuschen (1961) ist  leider nur noch eine Fassade erhalten geblieben. Das zweite Kontrollhäuschen wurde  1976 errichtet,1990 entfernt und einige Jahre später im Alliierten Museum aufgestellt.



Checkpoint Charlie weicht einem Steinbau

Berlin, 21. Mai 1976
2,50 Meter breit, sechs Meter lang, aus Holz, weiß gestrichen, rundum verglast

...ins Alliierten-Museum
…ins Alliierten-Museum

im Innern ein Tisch mit Feldtelefonen und eine Direktleitung zum US-Hauptquartier in Dahlem ? Berlins berühmteste Baracke, Symbol der deutschen Teilung, wurde gestern abgerissen. „Checkpoint Charlie“, das hölzerne Provisorium am elmigeh Ausländer-Übergang an der Berliner Mauer, mußte weichen, um 15 Jahre nach dem Willkürakt der „DDR“ vom 13. August durch ein festes Haus aus Stein ersetzt zu werden.

Die Baracke, die heute Touristenziel ist, wurde 2000 erbaut und gleicht dem Original von 1961. Traurige Bekanntheit erlangte der Checkpoint Charlie am 25. Oktober1961, als sich sowjetische als auch amerikanische Panzer mit scharfer Munition gegenüber standen. Am 22. Juni 1990 wurde der Checkpoint in Gegenwart der Außenminister der vier Siegermächte und der beiden deutschen Staaten in einer feierlichen Zeremonie abgebaut.

Das, was heute an der Friedrichstraße zu bestaunen ist, hat wenig mit dem einstigen Kontrollpunkt zu tun. Die nachgebaute Baracke steht nicht einmal an der originalen Stelle und die davor positionierten und verkleideten Alliierten (man kann sich mit ihnen fotografieren lassen) wirken meiner Meinung nach eher lächerlich. Wer sich wirklich für den Checkpoint interessiert, sollte auch das Alliierten-Museum besuchen.

Alliierten-Museum: Clayallee 135, täglich außer Mi 10-18 Uhr, Tel. 81 81 990, Eintritt frei.

sdc10057sdc10105

08
Apr
09

Ko Raya

Fotos: BLZ

Am Sonntag, dem 15. März 2009, brachte die 22-jährige Asiatische Elefantenkuh „Pang Pha“  im Berliner Zoo ein weibliches Jungtier zur Welt. Das Elefantenkalb hatte eine Höhe von einem Meter und brachte schon am Tag der Geburt 168 kg auf die Waage. Alles Gute!!!

Fotos: BLZ

Fotos: BLZ

Fotos: BLZ

Fotos: BLZ




Newton´s Cradle

Altes Zeugs

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