Archiv für Juni 2009

30
Jun
09

Palio

La Terra In Piazza

„Der Palio, das sind vier Tage absolute Leidenschaft. Extase.

Das gehört zu unserem

Leben. Der Palio macht uns zu Verbündeten.

Uns schweißt eine Hoffnung

zusammen: der Sieg. Das kann keiner verstehen,

der nicht hier geboren ist.“

In ein paar Tagen ist es wieder so weit und eine toskanische Stadt steht Kopf. Die Stadtviertel von Siena schicken je ein Pferd plus Reiter ins Rennen auf die Piazza del Campo und ich kann dieses Mal leider nicht dabei sein. Es kostet  den Besucher immense Kraft, dabei zu sein, denn man muss bereits sehr früh am Morgen auf der Piazza eintreffen und stundenlang unter toskanischer Hitze brüten, um dann am Nachmittag ein paar Minuten Spannung zu erleben. Doch der Aufwand lohnt und die Stimmung ist unvergleichlich. Die mittelalterliche Kulisse des berühmten Platzes trägt den Rest dazu bei. Obwohl die fantini (Reiter) und die meisten der Pferde schon lange nicht mehr aus den jeweiligen Contraden stammen und Unsummen an Geld für den  3- Minuten-Ritt bekommen, fasziniert mich dieses Ereignis doch immer wieder. Einst lebte ich für längere Zeit in der Contrada del Bruco (Raupe) für die auch heute noch mein Herz schlägt. Letztes Jahr hatte sie gewonnen. Die 17 Contraden tragen wunderschöne Namen wie: Valdimontone ( Widder), Selva (Wald),  Nicchio (Muschel), Pantera (Panther) usw. Das ganze Spektakel der unbesattelten Pferde dauert nicht mehr als 100 Sekunden und findet seit der Frührenaissance 2 mal im Sommer statt, am 2. Juli und am 16. August. Gefeiert wird natürlich schon ordentlich vorher und auch danach. Nicht ganz ungefährlich, besonders die Kurve am Palazzo Publico kostete schon etlichen Reitern und Pferden das Leben. Glücklich, die, die wie ich damals zum großen Festessen der Siegercontrade eingeladen werden. Solche Erinnerungen sind einfach unvergänglich. Und wenn nicht im August, dann spätestens nächstes Jahr.

Ci vediamo! Andiamo Bruco….!

23
Jun
09

Vom Datterich

„Bezahle, wenn mer Geld hat, des is kah Kunst, aber bezahle, wenn mer kahns hat, des is e Kunst….“

Eine kleine Hommage an meine Heimat: Es gibt Dialekte, die man gerne hört. Ich mag hessisch und plattdütsch. Irgendwie habe ich mit sächsisch und schwäbisch so meine Probleme. Nach Jahren in Bayern und in Berlin verfalle ich doch immer wieder gerne in meinen hessischen Dialekt, besonders wenn ich Freunde aus meiner alten Heimat treffe. Wunderbar auch der Kolumnist Günter Körner vom Darmstädter Echo, der mir ab und zu ein Stückchen Darmstadt nach Berlin schickt:

Verlennt mer bloos des Schwätze ned

De Buddswollkopp

Erst heute fiel mir wieder ein Buch in die Hände. Und zwar das Buch, dass ich zu meinem Abitur 1987 von meiner Schule ( wie es in ganz Darmstadt Sitte ist) geschenkt bekam, den „Datterich“.
Die geniale Mundartkommödie „Datterich spielt in der Zeit des Biedermeier. Datterich ist ein pfiffiger Lebenskünstler und Alt-Darmstädter Original, der es doch  immer und immer wieder versteht, einer geregelter Arbeit aus dem Weg zu gehen und auf Kosten der Mitbürger über den Durst zu trinken und sie beim Kartenspiel kräftig übers Ohr zu hauen. Dem Gesellen Schmidt schwindelt er vor, er könnte ihn zum Meister machen. Datterich versucht, den einfältigen Burschen, der Marie, die Tochter seines Lehrherrn Dummbach liebt, mit der eigenen Base Eva zu verbinden. Meister Dummbach ist begeisterter, wenn auch beschränkter Zeitungsleser und widmet sich mit Ignoranz der „Bolidik“: ein satirisches Zerrbild des politischen Kannegießers und Spießbürgers. Schmidt durchschaut Datterichs Intrige und fordert ihn zum Duell. Man stellt ihm eine Falle und verhaftet ihn als vermeintlichen Urheber eines Erpresserbriefes. Als Datterich bei Schmidts Hochzeit mit Marie sich wieder schmarotzend anbiedern will, wirft man ihn hinaus – und bedauert nachträglich, dass man auf seine unterhaltsame Dreistigkeit verzichten muss.


Ernst Elias Niebergall

Autor Ernst Elias Niebergall wurde 1815  genau wie ich  in Darmstadt geboren. Er starb leider bereits 1843 in seiner Geburtsstadt.. Nach dem Gymnasium in Darmstadt, studierte der Sohn eines Musikers von 1832 an Theologie in Gießen. In der Burschenschaft „Germania“ lernte Niebergall einen anderen wortgewandten Zeitgenossen kritischer Prägung kennen: Georg Büchner. Nach Verbot und Auflösung der Germania trat er 1833 dem Corps Palatia bei, das 1834 verboten wurde. Die folgende „Disziplinaruntersuchung“
endete 1836 mit einem Freispruch – Niebergall durfte aber in dieser Zeit kein Examen ablegen. Stattdessen arbeitete er 1835 als Hauslehrer bei einem Forstmeister in Dieburg. 1839 legte er schließlich das Examen ab. Da er aber nicht die Absicht hatte, Pfarrer zu werden, blieb ihm nur die Rückkehr nach Darmstadt, wo er 1840 zum Lehrer für Latein, Griechisch und Geschichte an der Privatschule des Schmitzschen Knabeninstituts avancierte. Schon als Privatlehrer begann Niebergall mit seiner eigentlichen Berufung, dem Schreiben. 1837 kam das Lustspiel „Des Bürschens Wiederkehr oder der Tolle Hund“ heraus – freilich unter dem Pseudonym Elias Streff.
Nach dem „Datterich“ brachte Niebergall keine Zeile mehr zu Papier.

Und hier ein Ausschnitt, weils soo scheee iss!!

Erste Szene

[7] Morgens. Wirthsstube. Datterich, Knerz, Bennelbächer und Spirwes spielen im Vordergrund Solo. Lisette ist im Hintergrund mit Aufräumen etc. beschäftigt.

DATTERICH resignirt. Mer sinn geschwolle, Freindche.

BENNELBÄCHER. Ich kumm heit uf kahn grihne Ast. Wann Sie die Spitz zu dritt gehatt hette –

DATTERICH. Ja, wann is kah Keeskorb.

SPIRWES. Geld will ich sähe, meine Herrn. Des leer Stroh dräsche duschur bin ich dick. Zu Datterich. Von Ihne krie ich jetz zwelf Kreizer, soviel mache grood mei zwah halwe Schoppe.

DATTERICH. Glei, Freindche. – Lisettche!

LISETTE. Was steht zu Dienste?

DATTERICH. Kenne-Se mer en breißische Dahler wächsele?

LISETTE. Warum dann net?

DATTERICH. Schee von Ihne. Des wollt ich nor wisse – gehn-Se nor widder; – ich wollt nor emol Ihne ihrn gute Wille sähe.

LISETTE kehrt ihm ärgerlich den Rücken, für sich. Der Siwwesortelumb braucht ahm aach noch zu foppe!

SPIRWES. Ich kann Ihne aach wächsele, gäwwe-Se nor her.

DATTERICH. Losse-Se nor, die muß als e Bisje geuhzt wern. Er rasselt in der Tasche.

KNERZ zu Bennelbächer. Wos Schlissel!

DATTERICH zu Spirwes. Valihrn-Se nor die Fiduz net: Sie krijje hernach Ihne ihr Geld. Awwer jetz: kabutt odder en Ranze! Solo!

BENNELBÄCHER. Wie schreibt er sich?

DATTERICH. Schippebihk!

SPIRWES. Der wackelt aach.

DATTERICH. E Eselsohr wackelt aach, will ich Ihne sage, un browirn-Se’s emal und roppe-Se sich’s aus. Eraus mit de wilde Katze!

[8] KNERZ. Was spielt mer dann do am Beste?

DATTERICH. Nor eraus! E Katt odder e Scheit Holz! Komme-Se, wie-Se wolle!

KNERZ. Kreiz Aß!

DATTERICH. Des hat kahn Vadda. Un jetz! Gewwe- Se Owacht, meine Herrn! Von oben herab, sprach Bonabatt! Drumb, Drumb, Drumb! un do is noch e ganzer Hut voll Drimb! Ganjeh! Vier Madador un die Bremjeh! Geriwwelt! Drei Batze à Person! Kitt, Herr Spirwes! Lisettche, noch e halb Scheppche!

SPIRWES. Sie howwe aach mehr Glick, als –

DATTERICH. No? als –?

SPIRWES. Als wie gewehnlich.

BENNELBÄCHER sieht auf die Uhr. Glei zwelf nooch dem Glockespiel. Die Frah werd mi’m Esse worde: es ist Zeit, daß mer in de Schoos seiner Famillje zurickkehrt.

DATTERICH. Bleiwe-Se da un esse-Se im Werthshaus, do werd Ihne ihr Dahl in der Haushaltung gespart. Herzsolo!

KNERZ will aufstehen. Ich glaab, ich bin äwe geruffe worn.

DATTERICH. Bleiwe-Se nor, Ihne ihr Gägewatt is hier nothwenniger. Da gucke-Se her – ich will-en auflehje – siwwe Drimb, meine Herrn, riwwele-Se gefelligst – vier Knepp à Person. Lisettche, e halb Portion kalde Hammelsbrade un noch e halb Scheppche! – hier lijje achtzeh Kreizer.

BENNELBÄCHER. Sie kenne nix Besseres duh, als spiele; Sie vadiene sich Ihne ihr Läbsucht.

DATTERICH. Ach, Freindche, des Glick is gor verennerlich. Wer zuerscht gewann, werd zuletzt e Bettelmann. Was bin ich erscht gästert geschleimt worn!

LISETTE bringt das Verlangte. Wo hawwe-Se dann des Geld?

DATTERICH. So is Recht, Sie kleine Unschuldslose! Des haw-ich gern, wann’s in der Werthschaft pinktlich hergeht – da gedrunke und da des Geld: hier! Indem er sich über den Braten hermacht. Lasse- Se sich net stehrn, meine Freinde, des Spiel erleid’t kah Stehrung dorch mei Esse; des geht bei mir all wie e Uhrwerk. Sie spielen weiter. Ein kleiner Junge kommt schüchtern herbei und zupft Bennelbächern am Arme.

[9] JUNGE. Vaddache, du sollst doch hahm kumme, hot die Mudda gesogt, des Esse deht ganz kalt wern.

BENNELBÄCHER. Do braucht-ersch aach net zu bloose. Herr Knerz, hawwe-Se äwe noch Drumb bekennt?

KNERZ. Nah, mir sinn mei poor Wermercher abgenumme worn.

DATTERICH zu dem Jungen. Siehst-de net, daß die Menschheit Katt spielt? Sag deiner Frah Mudda, dei Vadda deht sparn, er deht heit nix esse.

BENNELBÄCHER. Da, Pederche, do host-de en neie Kreizer, mach-der en gute Daak un soog daham iwwer die Mudda, ihr sollt nor als eweil esse, hett ich gesagt, du wehrscht mer am Mack begäjent – hehrsch-de, am Mack – ich hätt noch en bressante Gang. Der Junge ab.

DATTERICH. Der Bub werd gut.

BENNELBÄCHER. Wann ich Ihne en Roth gewwe soll, meine Herrn: – heirothe-Se net! Sie sähe, wie’s geht. Geht mer aus, do brummt die Frah, kimmt mer widder, do werd aach gebrummt; bleibt mer daham, do hot mer des Gebrumm von der Frah und des Gemaunz von dem klahne Gezäwwel de ganze Daak um sich erum: dann wann aach noch so e Raß Kinner ohmaschirt kummt, wie die Orjelpeife, do is der Deiwel ganz los. Des Ah’ braucht des, des Anner des, des Ah’ will e Klahd, des Anner will Schuh, des Anner will Bücher, des Anner will Schulgeld – es deht Noth, mer deht sein Rock ausziehe: do hobt-er’n, dahlt eich! Zickt mer die Haut iwwer’m Kopp zamme!

DATTERICH. Des is aach bleeslich der Grund, warum ich net heirath. Wer heidiges Daa’gs ehrlich und geacht dorch die Welt komme will, der hat iwwerrensig mit sich zu schaffe.

Einen wunderbaren kleinen Eindruck gibt es hier: Datterich, Staatstheater Darmstadt

Danke, Herr Niebergall!!!

12
Jun
09

Schafe auf Eiderstedt

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In Vollerwiek am Deich

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entspannt…

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müde…

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verdauend…

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träumend…

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Vollerwiek : „Nummergirls“

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Westerhever

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Westerhever : „Ohne Vorurteile“

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Westerhever “ Schafspo“

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Westerhever

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Westerhever

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Vollerwiek

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Vollerwiek

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Westerhever: „Kuscheln hilft bei kalter Brise“

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Westerhever : “ Blick zurück ins Schafsland“


05
Jun
09

Von Neukölln nach Mitte

Schöne und unschöne Impressionen:

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Leipziger Straße

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03
Jun
09

Die Unbekannte aus der Charité

rosa Luxemburg
Rosa Luxemburg

Hat meiner Meinung nach schon Gruselfaktor, denn am vergangenen Freitag war bekannt geworden, dass der Leichnam der 1919 ermordeten Rosa Luxemburg womöglich im Rechtsmedizinischen Institut der Berliner Charité liegt. Luxemburg wäre damit nicht in dem Grab in Berlin beerdigt worden, zu dem jedes Jahr mehrere tausend Besucher zu ihrem Gedenken kommen.
Der Leiter der Rechtsmedizin der Berliner Charite Michael Tsokos entdeckte 2007 eine weibliche Wasserleiche, bei der er glaubt, es könne sich hier um die ermordete Sozialistin Rosa Luxemburg handeln. 90 Jahre diente die Leiche als Anschauungsobjekt des Institutes der Gerichtsmedizin in der Hannoverschen Straße. Als  Tsokos vor zweieinhalb Jahren zum Chef der Rechtsmedizin in der Charité wurde und die gesamte Institutsammlung, sowie die Unterlagen dazu sichtete, fiel ihm auf, dass diese Frauenleiche  in der Vitrine nie identifiziert worden war. „Zehn weibliche

Unschöne Bilder, hat sie das verdient?
Unschöne Bilder, hat sie das verdient?

Wasserleichen hat man zwischen 1919 und 1922 aus dem Landwehrkanal geholt und in der Charité untersucht, neun konnte man zuordnen, nur diese eine nicht“, sagt Tsokos. Luxemburg wurde 1919 getötet und anschließend in den Berliner Landwehrkanal geworfen. Die  in der anatomischen Sammlung gefundene Leiche weist jedenfalls starke Ähnlichkeit auf mit Rosa, zumindest litt auch sie an einem Hüftschaden und an einem verkürzten Bein, weshalb Luxenburg zu Lebzeiten hinkte. Dem Leichnam fehlen allerdings Kopf, Hände und Füße, was Hände und Füße betrifft, die Leiche würde damals mit Gewichten an Händen und Füßen versehen, bevor man sie in den Kanal warf. Diese könnten mit der Zeit die Gliedmaßen abgetrennt haben. Leiter Tsokos ist sich außerdem zu „100 Prozent sicher“, dass es sich bei dem Körper, der 1919 als Luxemburgs Leichnam auf dem Zentralfriedhof in Berlin-Friedrichsfelde beerdigt wurde, nicht um die einstige Arbeiterführerin handelt , was umso pikanter ist, weil alljährlich zu ihrem Todestag am 15. Januar immer noch Zehntausende wie zu DDR-Zeiten zum Grab pilgern – allen voran Spitzenvertreter der Linkspartei.
„Ich habe mir das historische Obduktionsprotokoll herausgesucht“, sagt Tsokos. Vorn in der Akte stehe zwar „Sektionsprotokoll der Rosa Luxemburg“. „Doch in dem Bericht wird klar, dass es nicht die Leiche von Rosa Luxemburg war.“ Tsokos Vorgänger fanden nämlich weder einen Kopfschuss noch Spuren für Gewehrkolbenschläge auf den Schädel der Toten. Dabei soll Rosa Luxemburg – Mitbegründerin der Kommunsistischen Partei Deutschlands (KPD) jedoch am 15. Januar 1919 in Berlin von Soldaten der Garde-Kavallerie-Schützen-Division niedergeschlagen und dann durch einen Kopfschuss getötet worden sein.
Um das alles zu begreifen, sagt Schütrumpf, muss man sich die Situation von 1919 vergegenwärtigen. In Berlin hatte es im Januar blutige Kämpfe gegeben. Im März geriet die Situation außer Kontrolle, das Parlament tagte in Weimar, weil Berlin so unsicher war. Der Mord an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht im Januar – sie waren die Gründer der Kommunistischen Partei – hatte die Massen empört, bei der Beerdigung Liebknechts kam es zu Unruhen, sein Grab in Berlin-Friedrichsfelde wurde zur Wallfahrtsstätte. Luxemburgs Leiche aber war verschwunden.
Dann, am 30. Mai 1919, wurde in einer Schleuse des Landwehrkanals unweit der Stelle, wo man Luxemburg ins Wasser geworfen hatte, eine tote Frau entdeckt. Reichswehrminister Gustav Noske wurde informiert und ordnete an, die Leiche sofort aus der Stadt zu schaffen. Im damaligen Oberkommando des Heeres im nicht weit von Berlin entfernten Zossen wurde sie dann von den beiden ebenfalls herbeigeschafften Ärzten obduziert, als Rosa Luxemburg identifiziert, ihren Genossen übergeben und an der Seite Liebknechts beigesetzt.
„Die Frau, die damals beerdigt wurde, war nie und nimmer Rosa Luxemburg“, sind sich Rechtsmediziner Tsokos und Historiker Schütrumpf einig. Andere Wissenschaftler halten diese These zumindest für nicht abwegig. „Es gab damals viele Ungereimtheiten um die Leiche von Rosa Luxemburg“, sagt zum Beispiel der Historiker Christoph Kopke von der Universität Potsdam.
Klaus Gietinger dagegen, ein Frankfurter Regisseur und Autor, hat starke Zweifel. 2008 hat er sein vorerst letztes Buch zum Thema geschrieben: „Eine Leiche im Landwehrkanal. Die Ermordung Rosa Luxemburgs“. Gietinger sagt, Luxemburgs Leiche sei eindeutig identifiziert und im Juni 1919 beerdigt worden.
Allerdings, sagt Gietinger, sei durchaus möglich, dass ihre Leiche nicht in der Gedenkstätte der Sozialisten in Friedrichsfelde liegt. Denn die – das, was heute dort steht, ist in den Anfangsjahren der DDR angelegt worden – wurde 1935 von den Nazis zerstört, die Gräber wurden „eingeebnet“.
Tsokos hat die Wasserleiche mit allen Möglichkeiten der modernen Wissenschaft untersucht und will die Leiche freigeben, sobald die Untersuchungen die Vermutung bestätigen. Mithilfe alter Briefmarken werden zur Zeit DNS-Tests durchgeführt. Möge sie endlich ihren Frieden finden.
Video

02
Jun
09

Die Gezeitentür

Dass das Meer kommt und geht wissen wir alle. Wir können auch nachlesen, warum das so ist. Hein Hoop spielte mit den Gezeiten und nutzte sie für seine Kunst.
Ich habe Hein Hoop noch gekannt, er war ein außergewöhnlicher Künstler. Er erfand die  “ Wattolümpiade“ und 1972 veranstaltete er das erste Event dieser Art in der Nähe seiner Galerie in Katingsiel auf der Halbinsel Eiderstedt. Dort, nicht weit vom Eidersperrwerk entfernt hatte er sein Haus, direkt am Deich mit Galerie, die sich im ehemaligen Schafstall der umgebauten Kate befand.  Hoop wurde dort geboren, wo die berühmten Gravensteiner Äpfel herkommen, allerdings heißt Gravenstein heute Graasten und liegt in Dänemark. Das war 1927. Er erlernte die Holzbildhauerei und studierte Kunst an der Montana State University in den USA.
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Eine seiner bekanntesten Aktion, die „Gezeitentür“ wurde von einigen TV-Sendern aufgegriffen. In einer außergewöhnlich langen Sequenz wurde in Echtzeit gezeigt, wie sich die Tür durch die Flut öffnet und durch die Ebbe wieder schließt. 2007 wurde Hein Hoop zu Ehren diese Aktion vom Wattikan auf dem Wattkampfgelände in Soesmenhusen / Brunsbüttel wiederholt.
1977 wurde die Wattolümpiade von Jörn Lindhorst und Jens Rusch zum ersten Mal in Brunsbüttel veranstaltet.
Die Gezeitentür: öffnete sich bei Flut und schlug bei Ebbe wieder zu.
Das Wasser im Norden kommt oft unverhofft, die stürmische Nordsee hat schon zu vieles verschlungen. Nicht nur das sagenumwobene  Rungholt, riesige Landflächen und unzählige Menschenleben wurden bereits verschluckt. Die Nordsee verdient jeglichen Respekt ( nicht nur meinen) und die ständige unregelmäßige Bewegung der Gezeiten wurde hier von Hoop gewürdigt. Ich denke,irgendwie ähneln wir den Gezeiten, ein unregelmäßiges Kommen und Gehen. Ein Peitschen und Toben und am nächsten Tag ein eine sanfte Unschuld.

Der Wattkünstler in Akktion
Der Wattkünstler in Akktion



Newton´s Cradle

Altes Zeugs

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