
- Bild: Potsdam Wiki
Die Bertinistrasse in Potsdam liegt entlang des Jungfernsees und war einst ( und ist es mittlerweile wieder) eine prächtige Villenkolonie. Die Strasse wurde damals auch „Bankiersstrasse“ genannt, weil dort mit Otto von Mendelssohn-Bartholdy, Louis Hagen und Herbert Gutmann gleich drei Bankiers lebten. Ein Haus jedoch hebt sich besonders von den anderen Villen ab, nicht nur, weil es das einzige mit direktem Seegrundstück ist, sondern weil es sich mit seinen strengen geometrischen Formen deutlich von Gründerzeit und Jugendstil-Geschnörkel in dieser Strasse ausgrenzt. Erbaut wurde das Haus bereits 1897 und zwar im Stil eines skandinavischen Blockhauses. Damaliger Architekt war Schytte Berg. Im Laufe der Jahre wurde das Haus zu einer Art Märchenschloss umgebaut, 1927 erhielt es dann das heutige Aussehen: Schlicht und ganz im Stil der Neuen Sachlichkeit. Leider habe ich kein Bild aus der „Märchenzeit“ finden können. Für den Umbau waren damals die Architekten O. Block und H. Ebert verantwortlich. Eigentümer des Grundstücks und der Villa war der jüdische Bankier Louis Hagen. Es gibt

- einst..
Dachterrassen, einen Lift, der zur Tiefgarage führt, eine Turnhalle mit flachem Dach aus Glasbausteinen, ein Kino, und einen großen Bootsschuppen. Die Familie Hagen konnte in den Dreißigerjahren dem Naziterror entkommen. Zu Zeiten der DDR war hier ein Rechenzentrum untergebracht und seit 1992 verfällt das Haus zusehend. 2007 gab es Sanierungspläne: Ein Architekt erwarb das Gebäude mit dem Ziel, hier 6 Eigentumswohnungen zu erbauen und das Gebäude zu sanieren. Und ich sehe mit Trauer, dass bis heute immer noch nichts geschehen ist. Die Villa gleicht einer Bruchbude dass es einem das Herz bricht! Kürzlich las ich folgenden Artikel in den Potsdamer Nachrichten, dass die Abrißerlaubnis für die Villa Hagen genehmigt worden ist.
Villa Hagen steht für Volksbewußtsein:
Traurig! Anders als in Berlin ist die Villa Hagen eine von ganz wenigen originalen Gebäuden der Neuen Sachlichkeit in Potsdam. Und auch hier werden lieber neue Märchenschlösser gebaut ( Wiederaufbau des Stadtschlosses , 1945 abgebrannt, Reste 1960 gesprengt), als solche baulichen Meisterwerke zu erhalten. Meiner Meinung nach sind gerade die Potsdamer immer noch zu sehr auf ihr friderizianisches Klimbim fixiert und sind sich über andere architektonischen Highlights ihrer Stadt gar nicht bewusst. Allerdings ist das nicht nur in Potsdam so.
Was auch immer aus dieser Villa wird, man sollte sie sich unbedingt anschauen. Sie fristet ihr Dasein am Anfang der Bertinistrasse in der Nauener Vorstadt, gleich hinter der Meierei am Neuen Garten. Auch ich werde noch ein paar Fotos machen, da die meines letzten Besuches nichts geworden sind.
Das Haus machte übrigens auch Filmgeschichte: 1926, als in deren Gartenhaus-Garage der erste abendfüllende Animationsfilm „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“ produziert wurde. (Produktion: Louis Hagen)

- …und jetzt: Mein letzter Besuch, Juli 2009
Geschnatter: