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Aug
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Hinter Gittern

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Für viele Berliner ist der Zoo nahezu lebenswichtig, gerade ältere Herrschaften besuchen ihre Lieblinge oft täglich und sitzen meist stundenlang bei ihrem Lieblingstier, nahezu rührend. Das kann ich nur teilweise nachvollziehen, auch ich habe hier meine Lieblinge und auch wenn mich Zoos traurig stimmen gehe ich ab und zu doch ganz gerne hin. Ich habe hier im Berliner Zoo einige Tiere regelrecht lieb gewonnen und vermisse sie nach einer gewissen Zeit. Dazu zählt zum Beispiel dieses Zwergnilpferd:

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Prominentester Zoobewohner Berlins war ebenfalls ein Flusspferd namens „Knautschke“. Sein Ruhm wurde sprichwörtlich: „Der ist

Knautschke
Knautschke

bekannt wie „Knautschke“, lautete nach dem Zweiten Weltkrieg eine sehr beliebte Redewendung. Die Geschichte  ist aber zunächst eine traurige: Denn von den mehr als 10 000 Tieren im Berliner Zoo hatten nur 91 die Bombardements des Kriegs überlebt, darunter Knautschke. In den kommenden Jahren avancierte er zur Symbolfigur des gesamtdeutschen Behauptungswillens: Berlin hatte einen zeugungsfähigen Flusspferdbullen, Leipzig die dazu gehörige Kuh. Also leitete Berlins Zoodirektorin Katharina Heinroth eine Zusammenführung ein – kein leichtes Unterfangen während des Kalten Krieges. Am Ende seines 46-jährigen Lebens hatte „Knautschke“ 30 Nachkommen gezeugt. Die Wende erlebte Knautschke nicht mehr. Er wurde 1988 im Alter von 46 Jahren eingeschläfert. Sein eigener Sohn hatte ihn schwer verletzt.


Sicher kann sich auch noch jeder an Antje erinnern. Sie war vor Knut der Fernsehstar und eigentlich ein Er. Antje, das Walross, war nämlich ein Bulle. Die Pausenfilme, in denen das massige Tier seinen Beckenrand in  Hamburg Hagenbecks Tierpark geräuschvoll abschlürfte, kamen beim Publikum so gut an, dass Antje bald zum Werbeträger und Logo des NDR avancierte. 2003 starb das Tier im hohen Walross-Alter von stolzen 27 Jahren. Im Fernsehen lebt Antje als Zeichentrickfigur weiterund sie kann außerdem  dermoplastisch konserviert im Zoologischen Museum in Hamburg besucht werden.

Jumbo, London
Jumbo, London

Im 19. Jahrhundert, der Zeit der großen Afrika-Expeditionen, hatten Zoos andere Berühmtheiten: In London war der Elefant Jumbo die Attraktion. Weil er während der Pubertät plötzlich unberechenbar und gefährlich wurde, verkaufte die Direktion ihn zum Entsetzen der Briten an den Zirkus Barnum nach Amerika. 1885, nur drei Jahre nach dem Umzug ins Exil, starb Jumbo bei einem Zusammenstoß mit einer Lokomotive.

Sein Name wurde zum Elefantennamen schlechthin und zum Synonym für Größe: Auch die Boeing 747, der Jumbo-Jet, erinnert an ihn. Jumbos Skelett befindet sich heute im American Museum of Natural History in New York. Und ein Stück seines Schwanzes in der Tufts University in Massachusetts. Das dortige Museum besaß einst den gesamten ausgestopften Elefanten bis 1975 ein Feuer ausbrach.

Auch die Stadt Barcelona trauert um ihr Maskottchen. Der Albino Gorilla  „Schneeflöckchen“ war weltberühmt. 2003 wurde er nach qualvollen Schmerzen von

seinem Leid erlöst, denn Schneeflöckchen litt an Hautkrebs. Er wurde ca 30 Jahre alt. Mit seinem weissen Fell und der rosa Haut war er der berühmteste Gorilla weltweit. Er zierte unter anderem die Titel der Weltpresse wie „National Geographic“.

Dennoch bleibt mir bei all meinen Besuchen im Zoo immer ein kleiner bitterer Nachgeschmack, der mich an die traurigen Worte Reiner Maria Rilkes erinnert;

DER PANTHER

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, daß er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille -
und hört im Herzen auf zu sein.

- 1903 -

….doch manche Tiere wissen sich zu helfen und lassen ihrem Frust freien Lauf:

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9 Antworten zu „Hinter Gittern“


  1. 3. August 2009 um 09:17

    Grossarig und traurig zugleich, Dennoch: mein Favorit ist nicht der Fettsack im Wasser, sondern Schneeflöckchen, der jetzt ja wohl nicht mehr hinter Gittern wohnt, sondern in den Wolken:

  2. 3. August 2009 um 18:06

    Au weia! Wenn so gruselig im Gorillahimmel frohlockt wird, dann wünsche ich ihm lieber doch die Hölle. :-)

  3. 3 bunnyberlin
    4. August 2009 um 12:16

    seit ich kein kind mehr bin, gehe ich etwa so gerne in den zoo wie ins tierheim. ich kann das nicht mit ansehen.

    bei einem besuch einer krokodilfarm nördlich von bangkok bin ich beim anblick eines dort ebenfalls „gehaltenen“ tigers — in einem etwa 6m großen pavillon — in tränen ausgebrochen…. der schlich da endlos am gitter entlang wie rilkes panther. meine gastgeber waren not amused, da sie ihrem gast wohl etwas aufregendes präsentieren wollten.

    • 4. August 2009 um 16:56

      In Islamabad kam es heute zu einem Skandal um einen privat unter unwürdigen Bedingungen gehaltenen Tiger, wie die Daily Times of Pakistan berichtet:

      Tiger row embarrasses Sharif family

      ISLAMABAD: The Sharif family has come under fire for importing a Siberian tiger and housing the animal expensively at a private zoo in the middle of the summer. The son of Punjab Chief Minister Shahbaz Sharif, Suleiman Sharif, imported the tiger last month after obtaining a special permit. However, the media criticised the move, saying the compound would add further burden on the local electricity supply at a time of power shortages. Sulieman’s private secretary, Sikandar Pasha, said the family had decided to gift the animal to the NWFP government, where temperatures in the mountains are significantly cooler. He denied there was any pressure to remove the tiger. Punjab government spokesman Pervez Rasheed also defended the import of the tiger, saying the animal had been brought into the country after fulfilling all international obligations due to Suleiman’s love of animals.

      Aktuelle Meldungen zum Thema Tigerfolter unter http://tigerworldnews.wordpress.com/

  4. 4. August 2009 um 17:06

    Raubkatzen gehören nun mal in die Freiheit, überhaupt, jedes Tier, was es gewohnt ist zu rennen und viel Fläche braucht.Soll er sie doch alle auffressen!!! Ich würde da kein Mitleid empfinden, genauso wenig hatte ich es bei Siegfried und Roy…das kommt halt davon! Selbst Schuld.

  5. 5. August 2009 um 12:54

    Das Schlimme ist, daß einige Tierarten überhaupt nur dank Zoohaltung überleben …
    Besser wird das nicht.

  6. 19. August 2009 um 15:53

    In der WELT vom 15.08.2009 erschien folgender Artikel:

    http://www.welt.de/wissenschaft/tierwelt/article4338276/Zoos-sind-ein-Segen-fuer-die-Gesellschaft.html

    Der Chefredakteur Herr Thomas Schmid kommentierte diesen Artikel in einem Leserbrief der gestrigen Ausgabe so:
    «Dieses Gedicht «Der Panther» von Rainer Maria Rilke hat mich schon immer sehr be¬eindruckt, wenngleich ich natürlich zuge¬ben muss, dass die Zustände in den zoologi¬schen Gärten zu Rilkes Zeiten erheblich an¬ders waren, als sie es in modern geführten Zoos heute sind. Wohlgemerkt, in den mo¬dern geführten Zoos, und das sind weltweit sicher nicht die meisten! Gerade kleinere Zoos können sich eine artgerechte Tierhaltung gar nicht leisten. Sie haben oft nicht den Mut, auf die großen Besuchermagneten Löwe, Tiger, Bären, Menschenaffen oder Elefanten in der Hal¬tung zu verzichten, um sich auf wenige Ar¬ten zu beschränken, denen es dann aber ein wenig besser ergeht, die vielleicht aber auch leichter zu halten sind. So zum Beispiel eu¬ropäische Arten oder auch fast vergessene Haustierrassen, die es sie ja in einigen spezialisierten Tierparks schon zu sehen gibt. Es gibt hochinteressante Schweine- Rinder-¬ oder Hühnerrassen! Kinder würden staunen ob der Vielfalt. Heutzutage berufen sich die guten zoolo¬gischen Gärten darauf, dass sie mit Arten¬schutz- und Nachzuchtprogrammen, dem sog. Arche-Noah-Effekt, natürlich weltweit und Computer-unterstützt, etwas für die Fauna tun! Das ist begrenzt auch richtig, nämlich dann, wenn Nachzuchten auch ausgewildert werden könnten, was keinesweg immer der Fall ist. Es muss die Frage erlaubt sein, ob es päda¬gogisch wertvoll ist, Kindern im Zoo Tiere zu zeigen, die vollkommen Ihres natürlichen Verhaltens beraubt wurden. Welche Infor¬mation erhalten sie, wenn sie einen Löwen und Tiger hinter Gittern oder einen ange¬ketteten Elefanten (im Stall, zur Übernach¬tung, zu seiner eigenen Sicherheit, wie es heißt) beobachten können?»

  7. 19. August 2009 um 16:01

    Dr. med. vet. Rolf Gramm, Tierarzt, Braunschweig aus seinem Buch «Aus der Kleintierpraxis»

    «Es gibt einen wunderschönen Vogel, der Flamingo heißt. Wer ihn nur in unseren Tiergärten gesehen hat, hat ihn in Wahrheit nicht gesehen, denn was dort auf gepflegtem Rasen und in ausgemauerten Teichen blass und müde wie verblühende Lilien steht, ist so traurig anzuschauen wie ein ehemals kostbares Bild, das man aus seinem Rahmen riss und Bedingungen aussetzte, die seine Farben zerstören.»

    Ähnlich in der bildenden Kunst: Panzerglas («Hinter Gittern» werden auch Gemälde gehalten) und geschätzte 300 Japaner hinderten mich daran, van Goghs Iris-Bild in London zu «sehen».


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