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Der deutsche Tourist

Wenn ich im In – oder Ausland auf Reisen bin, versuche ich immer, mich möglichst unauffällig durch die Strassen zu bewegen. Gerade in „Mediteranien“ könnte ich mich noch als Einheimische durchmogeln, denn  auch hier sind ja hellere Haare und blaue Augen völlig normal.

Da ich längere Zeit im Land wo die Zitronen blühn gelebt habe, weiß ich, wie bösartig und abfällig die eitlen arroganten Stiefelknechte über uns Deutsche ablästern, kommen wir in kurzen, genitalbetonten Shorts, viel zu engen Spaghettiops (ein italienisches Wort? In ganz Italien existiert dieser Begriff jedoch nicht) und  neonfarbenen Quadratlatschen daher. Nun, ich bin weiß Gott nicht oberflächlich (vielleicht ein wenig), aber wenn ich die Mudddddis in ihren kurzen Leggings mit Outdoorsandalen durch das elegante Firenze wabbeln sehe, dann kann ich die Italiener ja irgendwie verstehen.

Aber, ok. Schlimm, auch für mich wird es dann, wenn die halbnackten, verschwitzten tomatenroten Teutonen in diesem Dress die katholischen Kirchen besichtigen wollen und nicht wissen, dass schulterfreier Besuch beim lieben Gott im Süden ein absolutes No-go ist. Meistens verbunden, obwohl, mittlerweile schon gewohnt, mit den entsetzten und schamerfüllten vorwurfsvollen Blicken der gottesfürchtigen schwarz gekleideten Nonnas über 80, besonders auf dem Lande.

Fahradtouristen und Wandervögel schließe ich mal aus, bequem ist nun mal das, was hässlich ist.  Aber Pimmel betonende Radlerhosen und Hühneraugen- FKK  in den Uffizien, da führt scheinbar kein klitzekleiner Weg vorbei und Leonardo und Botticelli , drückt ein Auge zu, immerhin kommen sie wegen euch! Und die Renaissance in Italien legte schließlich die mittelalterlichen Kutten ab bis zur Schamgrenze.

Ich laufe zwar auch nicht im Armani-Kostüm mit  hohen Hacken zur Sightseeing Tour, aber diese breiten Plastiksandalen und diese hässlichen bunten Gummi-Glogs findet man  genauso wenig in meinem Koffer wie Leggings und Rucksack. Brutti tedeschi!

Entdeckt auf Malle: Der deutsche Klassiker…

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…auf der Suche nach Schnitzel!

Lästern macht Freude und vertreibt manchmal die Sorgen, ich arbeite an einem Ort, zu dem täglich 1000 Touristen aus

aller Welt strömen. Amerikaner sind meist, allerdings  von Turnschuhen und Cap mal abgesehen, anständig gekleidet. Die Briten und Holländer erscheinen auch mal mit entblößtem Oberkörper und einer heftigen Bierfahne. Italiener, Spanier, Griechen usw. meistens sogar overdressed.  Und dass sich der männliche Mediteranier öfters mal in der Öffentlichkeit am Sack kratzt ist definitiv wahr.

Deutsche kleiden sich in Deutschland anders als im Ausland.  Womöglich möchte der Teutone im Ausland als Deutscher erkannt werden. Deutsche werden ja schließlich um vieles beneidet und manch einer ist vielleicht immer noch stolz, einer zu sein. Innerhalb Deutschlands bevorzugen deutsche ältere Damen weiße Handtaschen (mit 4711 Reisetüchern) und weiße Gesundheitsschuhe, die Durchschnittsfarbe einer deutschen Tourigruppe ist beige. Beige bedeutet vor allem nicht auffallen und beige ist praktisch. Beige vertuscht hässliche  und triefende Schwitzflecken  und schmeichelt grauen Haaren mit Föhnwelle. Beige kann man 14 Tage am Stück tragen, am besten Polyesterbeige, das knittert nicht einmal im Koffer,und wenns dann irgendwann doch mal das Müffeln anfängt, die Gattin hat feuchte Reisetüchlein im weißen oder beigen Begleiterli dabei. Letztendlich kann sich ja jeder im Urlaub kleiden, wie er möchte, meinen Segen hat er trotz der kleinen Lästerei. Und irgendwie wäre es auch schade wenn die Deutschen ihr Image von den besockten Sandalenträgern verlieren würden. Oder?

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Arenal: Neuer Dresscode der Deutschen? Nein, danke!


9 Antworten zu „Der deutsche Tourist“


  1. 8. August 2009 um 08:09

    Da hast du ein natürlich recht, aber die Briten toppen das meiner Ansicht nach locker, die sind noch bleicher und werden hummerrot von der südlichen Sonne, mit Ausnahme der Unterschenkel, denn die stecken in schwarzen Kniestrümpfen, die so prima zu den eigenartig geformten Sandalen passen, die sie vielleicht bei Land’s End (amerikanisch) gekauft haben. Die Verkleidungsorgien auf dem letzten Bild scheinen mir auch eher ein typisches Phänomen der Bewohner der Inseln zu sein.

  2. 3 karu02
    8. August 2009 um 14:20

    Wenn ich z.B. aus Mailand oder aus Valencia zurück komme, packt mich regelmäßig das kalte Grausen, wenn ich durch Moers, Wesel oder Duisburg gehe. Dabei brauche ich den Blick nicht mal zu heben, ich wage das auch kaum, wenn ich nur die Schuhe, speziell der Männer sehe.
    Welche Freude dagegen, in einem italienischen oder spanischen Straßencafé die blanken Lederexemplare mit den exakt vorne aufstoßenden, farblich immer passenden Hosenkanten zu beobachten. Das macht Lust, den Blick auch dem Rest hinterherzuschicken.

  3. 9. August 2009 um 00:08

    Die Verkleideten waren waschechte männliche Kölle Alaaf Funkenmariechen. Könnte aber auch am Trafalgar Square sein :-)
    Karu da gebe ich Dir recht!!!

  4. 5 6kraska6
    10. August 2009 um 21:23

    Die bewundernswerteste Lösung für das ästhetische Touri-Problem sah ich im Dom zu Siena: Dort wurden problematische Figuren höflich aber bestimmt dazu aufgefordert, eine Art Papierhemdchen oder Poncho überzustreifen! Schade nur, daß es zu diesen Büßer-Hemdchen nicht noch ein spitzes Papiermützchen gab!

  5. 11. August 2009 um 22:42

    Das kenn ich gar nicht aus Siena! Neue Sitte, nehmen die für die Papierponchos auch Geld? Das ist ja köstlich“ „Tourikondome“!!!

  6. 7 vati
    17. August 2009 um 16:26

    Die deutschen Touristen laufen so aber auch in Berlin rum, mit Wanderschuhen und Funktionskleidung. Das gehört offensichtlich zum Urlaub.

  7. 9 opavati
    10. September 2009 um 15:19

    Die vielen einzelnen Blogs sind schon spannend, machen aber Mühe. Bis bald.


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