Ich befasse mich sehr gerne mit der Kunst und Architektur des Sozialismus. Auch wenn ich nachvollziehen kann, dass
diese Kultur in ehemals sozialistischen Ländern auf Ekel, Abscheu und Desinteresse stößt, bin ich der Meinung, dass z.B eine Verbannung von öffentlichen Plätzen NICHT immer gleich gesetzt werden muss mit der totalen Zerstörung des Kunstwerks.
Das hatten wir in unserer Geschichte leider zu oft. Voreiliges Handeln und überschnelle Vernichtung oder Beseitigung von Bauten und Kunstwerken aus den 20er, 50er und 70er Jahren führen heute dazu, ihnen Seltenheitswert anzurechnen und das, was noch geblieben ist, unter Denkmalschutz zu stellen. hier ein typischer Fall aus „jüngster“ Geschichte der Kunst des sozialistischen Realismus:
Der Berliner Lenin war 19 Meter hoch und aus ukrainischem Granit gefertigt. 21 Jahre stand er auf
dem Platz der vereinten Nationen.
Am 13 November 1991 erfolgte in Berlin Friedrichshain die symbolische Abtrennung
von Lenins Kopf. Nachdem auch der Rest des Mammut-Denkmals abgerissen wurde, zerlegte man den einstigen Gründer der Sowjetunion und verscharrte seine Überreste in der Seddiner Heide bei Berlin-Köpenik.
Dort ruhte er friedlich unter einem Sandhügel bis zum Jahre 2009. im Jahre 2005 baten die Nachkommen des Bildhauers Nikolai Tomski den Berliner Senat, einen sicheren Ort mit Schutz vor Witterung und Vandalismus zu suchen.
Im Juli 2009 wurde nun bekannt gegeben, dass der 3,5 Tonnen schwere Kopf ausgegraben werden solle und
ab Herbst 2012 im Rahmen einer Ausstellung in der Spandauer Zitadelle ausgestellt werde. Also, geht doch!




Schmunzeln musste ich dennoch, als ich kürzlich über den Vorfall in Sankt Petersburg las: Einem Lenin wurde im wahrsten Sinne des Wortes den A… aufgerissen. Unbekannte platzierten eine Bombe in der Statue, die ein Loch mit einem Durchmesser von einem Meter an Lenins Gesäß verursachte. Verletzt wurde aber niemand.

Lenins werden immer seltener, sie werden abgebaut, abgerissen, zerstört und verbuddelt. Und nicht nur Lenins. In den Gebieten der ehemaligen DDR verschwinden hochinteressante Wandmalereien und Schmiedearbeiten von einst bekannten Künstlern.
Als 1949 der Staat der DDR gegründet wurde, wurde nicht nur das sowjetische System in der Ostzone übernommen, sondern auch die damit verbundene Kultur. Bilder von fleißigen Bauern auf dem Feld und glücklichen sozialistischen Familien mit rotwangigen, gesunden Kindern haben mittlerweile Seltenheitswert.
Max Lingner „Aufbau der Republik“ 1952/53, Berlin, Bundesministerium f. Finanzen

Dresden, Kulturpalast, „Der Weg der roten Fahne“ Gerhard Bondzin (Wiki)

Wandbild und Brunnen von Walter Womacka, Berlin, Alexanderplatz
Ein interessantes Problem, das Du aufwirfst! Gegen die von Dir kritisierte Voreiligkeit und unüberlegte Hektik beim Beseitigen politischer Kunst- oder Architekturmonumente bin ich auch. Andererseits: Muß man zu Doku-Zwecken alles stehen lassen? Wilhelm-Zwo-Reiterstandbilder, Heldengedenksäulen, Arnold-Breker-Trumms und granitene Lenin-Monster-Gebirge? Ich bin mir nicht sicher, wie ein guter Mittelweg auszusehen hätte.
Ich dachte eigentlich schon, zumindest bei Statuen, ans Beseitigen von öffentlichen Plätzen. Nur nicht an die Vernichtung. wie wäre es mit einer Unterbringung in Museen oder Archiven? Es wird doch sonst auch jeder Müll für die Ewigkeit einbalsamiert.
Vielleicht kann man ein Museum für Verfehlungen einrichten.
Hallo! Sag mal, von wem ist dieses tolle Arbeiterbild? Leider steht da kein Künstler, kein Titel ncihts. Schade!
Der Berliner Grafiker Manfred Butzmann hatte seinerzeit vorgeschlagen den Lenin auf dem Leninplatz sich mit Efeu bewachsen zu lassen. Jetzt nach 20 Jahren wäre dieses Efeumonument sicher ein besserer Mittelpunkt des Architekturensembles, als die Steinchen aus allen Kontinenten, die dort jetzt rumliegen.
http://wissen.spiegel.de/wissen/dokument/dokument.html?id=13501197&top=SPIEGEL
Hallo! Sagt mal, weiß jemand von wem dieses tolle Arbeiterbild ist? Leider steht da kein Künstler, kein Titel nichts. Schade!
opavati: Das wäre eine schöne Lösung gewesen! Schade.
zhara: ich krieg es raus, versprochen!
Das Bild ist von Otto Griebel,“Die Internationale“ von 1928-1930, Öl auf Leinwand, 125×185cm
In der DDR im Bestand des Museum für Deutsche Geschichte, jetzt sicher im Depot.
Klasse! Vielen lieben Dank!